VW verlegt Produktion verstärkt nach Brasilien

Die Produktion des neuen Golf für den brasilianischen Markt wird nicht in Wolfsburg, sondern in Brasilien laufen. VW investiert 170 Millionen Euro in den Ausbau des Werks Curitiba. Die Globalisierung erreicht die Arbeiter in der deutschen Automobil-Industrie.

Der neue Golf wird für den Markt in Brasilien ausschließlich vor Ort gefertigt. VW do Brasil-Chef Präsident Thomas Schmall gab am Donnerstag bei einem Treffen mit Staatschefin Dilma Roussef bekannt, dass VW 170 Millionen Euro in den Ausbau des Werkes Curitiba investieren will. Von dort aus wird das ganze Land mit Fahrzeugen beliefert.

Die Produktion des Werkes soll um 20 Prozent gesteigert werden. Insgesamt investiert VW bis 2016 über 3,4 Milliarden Euro in die Region. Durch die Produktion in Brasilien will VW Importzölle von bis zu 30 Prozent umgehen und auch lokale Zulieferer stärker einbinden, berichtet das Magazin Auto-Motor-und-Sport. Dadurch verspricht sich der deutsche Autobauer weitere Steuervorteile, Flexibilität und Wettbewerbsvorteile.

Bis zur Aufnahme der Produktion in Brasilien soll der neue Golf wie bisher als Importfahrzeug aus Deutschland eingeführt werden. Danach wird für Brasilien nicht mehr in Deutschland produziert. Deutschen Zulieferer-Firmen könnten dadurch Aufträge verloren gehen. Ein Beispiel hierfür ist bei Daimler zu finden: Durch die Verlegung der Produktion von Motoren nach China können Auftragseinbrüche für kleine Zulieferer aus Deutschland nicht ausgeschlossen werden (hier).

Der Golf ist in Brasilien seit über zwanzig Jahren das meistverkaufte Fahrzeug des Landes. In 60 Jahren vor Ort hat VW über 20 Millionen Autos verkauft. Auch die Marke Audi wird dort in den nächsten Jahren mehr Fahrzeuge produzieren.

Im Gegensatz zum europäischen Markt ist in den Schwellenländern Brasilien und China noch richtig viel zu holen für die deutschen Autobauer. Vor allem die Massenhersteller wie VW haben es schwer in Europa. Die Premium-Marken Daimler und BMW kommen hingegen besser durch die Absatzkrise.

Der Automobilexperte Ferdinand Dudenhöffer empfiehlt VW in einem Bericht vom Aktionär, sich stärker auf Billigfahrzeuge zu konzentrieren.

„Man muss es allerding richtig machen. Einfach nur ein bestehendes Modell nehmen und da Produktinhalt rauszunehmen ist der falsche Ansatz. Wichtig ist die gesamt Wertschöpfungskette neu aufzubauen. Also Kapital – oder Automatisierung – durch preisgünstige Arbeit zu ersetzen, eta in Rumänien oder Indien. Damit muß man allerdings auch Qualitätsparameter ändern.“

Die VW-Führung sei aber „nicht für einfache Lösungen mit Niedrigkosten“ bekannt, so Dudenhöffer. VW will der größte Autobauer der Welt werden und eröffnet auch in China immer mehr Werke, um zum Top-Konkurrenten Toyota aufzuschließen.

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