Nach Assad-Inte​rview: Türkischer Regierungs​kritiker nimmt Erdoğan in Schutz

Assad hat im Rahmen eines Interviews mit dem türkischen Fernsehen Premier Erdoğan scharf angegriffen. Der sei Schuld an den Zuständen im gesamten Nahen Osten. Das war dann auch dem Erdoğan-Kritiker Yılmaz Özdil zu viel. Der sagt nun, dass Assad nicht das Recht habe, Erdoğan Nachhilfestunden in Demokratie zu erteilen.

Der Journalist Yılmaz Özdil hat Ministerpräsident Erdoğan gegen die Vorwürfe des syrischen Präsidenten Assad in Schutz genommen. Das verwundert. Denn Özdil gehört zu den größten Regierungskritikern im Land. In der Vergangenheit hatte er kein gutes Haar an Erdoğan und der AKP gelassen.

Auslöser seiner Reaktion ist ein aktuelles Assad-Interview, welches vom türkischen Fernsehkanal Halk TV geführt wurde. Baschar al-Assad sagt, dass die Türkei die volle Verantwortung für alle Toten in Syrien trage. Die AKP-Regierung habe sich auch in aktiver Weise in die Innenpolitik des Irak und Ägyptens eingemischt.

„Während unserer gemeinsamen Gespräche hatte Erdoğan niemals Reformvorschläge für Syrien auf den Tisch gelegt. Es ging ihm nicht um Demokratie, sondern um die Rückkehr der Muslimbrüder nach Syrien. Er hat eine rückständige, verschlossene und mit Lug und Trug gefüllte Mentalität.“

Für den Erdoğan-Kritiker Yilmaz Özdil ist Assad zu weit gegangen. Dazu sagte er in einer Polit-Runde auf Halk TV:

„Diesem nahöstlichen Schlächter muss mit seinen eigenen Worten das Maul gestopft werden. Auch ich habe Einwände gegen unsere Regierung anzubringen. Doch keiner der Kasper aus dem Nahen Osten hat das Recht, den Premierminister der Türkischen Republik derart zu beleidigen. Will uns ausgerechnet dieser ehrlose Mörder Nachhilfestunden in Demokratie geben? Dieser Mann hat auch dem US-Fernsehen ein Interview gegeben. Wir wissen alle, dass Obama und Erdoğan auf derselben Wellenlänge sind in Syrien. Warum hat er dann nicht den Mut, den US-Präsidenten derart anzugreifen? Zudem wird er von Russland, China und dem Iran unterstützt. Soll er doch seinen Verbündeten Demokratie-Lehrstunden erteilen. Es ist unglaublich. Wie kann es sein, dass unser Land in dieses Kasperle-Theater des Nahen Ostens geraten ist? Sogar Mörder mockieren sich über uns!“

Yılmaz Özdil ist in der Türkei den Atatürk-Anhängern zuzuordnen. In konservativen Kreisen ist er unbeliebt. Im Zuge der Gezi-Park Proteste, des Ergenekon-Verfahrens und der Inhaftierung von Journalisten hatte er stets eine regierungskritische Haltung eingenommen. Diese werde er beibehalten. Doch es sei schlichtweg falsch, Erdoğan für nahezu alles verantwortlich machen zu wollen.

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