Frankfurter Buchmesse: Türkei präsentiert 3000 Neuerscheinungen

Seit Mittwoch findet in Frankfurt am Main die Buchmesse statt. Bis zum 13. Oktober präsentieren rund 7.300 Aussteller aus über 100 Ländern ihr literarisches Programm. Auch die Türkei ist mit 3000 Neuerscheinungen aus mehr als 200 Verlagen vertreten. Eine Lesenation ist das Land allerdings noch lange nicht.

Die Frankfurter Buchmesse gilt als einer der wichtigsten Treffpunkte des internationalen Publishing. Seit Mittwoch haben die Hallen in der hessischen Bankenmetropole ihre Pforten geöffnet. Mit dabei sind auch die türkischen Branchenvertreter. Im Gepäck: 3000 Neuerscheinungen, die dem internationalen Publikum näher gebracht werden sollen. Dabei gibt es vor allem in Sachen Begeisterung der eigenen Landsleute erheblichen Handlungsbedarf.

Die größte Buchmesse der Welt ist auch 2013 ein Tummelplatz für Bücher in gedruckter und in digitaler Form. Neben gut 280.000 erwarteten Besuchern, kann sich das Fach- und Lauf-Publikum auf rund 1500 anwesende Autoren freuen. Im Fokus steht in diesem Jahr Brasilien. Doch auch für Interessenten türkischer Kultur gibt es jede Menge zu entdecken. Neben vielen Neuerscheinungen ist unter anderem auch die Ausstellung „Piri Reïs: Der Weise des Mittelmeeres – Das Geheimnis von 500 Jahren“ zu sehen, die am Mittwoch offiziell eröffnet wurde.

Kunst und Kulinarik: Einblicke in die türkische Kultur

Daneben bietet das türkische Kultur- und Tourismusministerium Einblicke in verschiedene Aspekte des türkischen Lebens. So ist etwa der türkische Kochbuch-Autor und Kolumnist Sahrap Soysal in Frankfurt zu Gast. Passend gibt es dazu traditionelle und regionale Kostproben der türkischen Küche. Eine Veranstaltung ist zudem der als Ebru bekannten Marmorierkunst gewidmet. Abschließend können sich die Besucher am kommenden Sonntag einen Überblick über den türkischen Buchmarkt verschaffen. Metin Celal Zeynioğlu, Präsident des Türkischen Verlegerverbandes, und Münir Üstün, Vorsitzender des Presse- und Verlagsverbandes, werden im so genannten Forum Dialog die aktuelle Situation des Verlagswesens der Türkei analysieren. Als Vertreter der zwei wichtigsten institutionellen Akteure der Branche versuchen sie darüber hinaus auch einen Ausblick auf die zukünftige Entwicklung des türkischen Verlagswesens zu geben.

Türken lesen nur alle zehn Jahre ein Buch

Dass hier noch viel zu tun ist, das zeigt ein bereits 2012 veröffentlichter Bericht der Gewerkschaft der Demokratischen Pädagogen (DES). Dieser brachte zu den Lesegewohnheiten in der Türkei erschreckende Zahlen heraus. Demnach liege eine türkische Wissensgesellschaft noch in weiter Ferne. Lesen sei immer noch nicht fester Bestandteil des Alltags. Als alltäglicher Gebrauchsgegenstand stünden Bücher in der Türkei, nach Angaben der DES, sogar erst an 235. Stelle. Vor allem türkische Schülerinnen und Schüler haben mit dem Lesen Probleme. In Sachen Leseverständnis landeten sie in der Pisastudie 2009 auf Platz 41.

Ein Umstand, der nicht von Ungefähr kommt. Nach Angaben der DES verbringen die Türken jährlich nur etwa sechs Stunden mit dem Lesen eines Buches. Nur einer von Tausend greift überhaupt zum Buch. Gelesen wird im Schnitt etwa eines in ganzen zehn Jahren und Bibliotheken sind zudem nur sehr wenig verbreitet (mehr hier).

Bemüht wird sich um den türkischen Markt dennoch. So haben im Jahr 2009 deutsche Verlage 149 Lizenzen an türkische Verlage verkauft, was 2,4 Prozent des Gesamtvolumens in Deutschland ausmacht, heißt es hierzu von der Frankfurter Buchmesse. Demnach würden die Titel hauptsächlich aus den Sachgruppen: Belletristik (40), Kinder- (25) und Jugendbuch (5), Bilderbuch (6), Sachbuch (3), Ratgeber (5), Freizeit (5), Medizin und Psychologie (34) und Geisteswissenschaften (5) stammen. Zwanzig weitere Lizenzen seiden zudem an deutsch-türkische Verlage verkauft worden, die in Deutschland auf Türkisch publizieren. Auch in die andere Richtung gebe es Bewegung im Markt. Türkisch hätte sich bei den Übersetzungen ins Deutsche neben Arabisch, Koreanisch und Polnisch mit 45 Titeln im unteren Mittelfeld positionieren können. Das seien 0,4 Prozent der Übersetzungen ins Deutsche.

Hohe Buchpreise, wenig Buchhandlungen

Im Augenblick werden mit Büchern in der Türkei jährlich rund 810 Millionen Dollar umgesetzt. Gut 27.000 Titel werden Jahr für Jahr produziert, davon 5.700 Neuerscheinungen. Insgsamt gibt es 1.724 Verlage, aber nur gut 6.000 Buchhandlungen landesweit. Die Preise sind ebenfalls recht hoch. Im Schnitt muss ein türkischer Leser für ein Hardcover 17,20 Euro veranschlagen. Ein Taschenbuch schlägt durchschnittlich mit 8,60 Euro zu Buche. Eine Buchpreisbindung gibt es ebenfalls nicht. Stattdessen stellen Verlage stellen Grossisten ihre Titel mit 45 bis 55 Prozent und Buchhändlern mit 30 bis 45 Prozent Rabatt zur Verfügung. Die Probleme mit Raubkopien sind entsprechend (mehr hier).

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