Türkische Serien im Nahen Osten: Zensoren drücken ein Auge zu

Dass türkische TV-Serien derzeit der Exportschlager der Region sind, ist nicht neu. Erstaunlich ist jedoch: Im Nahen Osten sind die sonst so gestrengen Sittenwächter derzeit überraschend entspannt, wenn es um sexuelle Themen innerhalb dieser Formate geht. Denn eigentlich haben sie dort weder im TV noch in der Gesellschaft Platz.

Konservativ, verschlossen, für westliche Verhältnisse geradezu bieder kommt der Nahe Osten daher, wenn es um vermeintlich anzügliche Darstellungen im TV geht. Streng wird über die Gesellschaft gewacht. Es sei denn, die freizügigen Inhalte kommen über einen ganz bestimmten Kanal daher: Türkische Daily Soaps.

Bestes Beispiel, wie es eigentlich läuft, ist das Verbot einer Kondom-Werbung in Pakistan. In einem Spot des US-non-profit Unternehmens DKT Intl. empfahl ein frisch verheirateter Mann seinem Freund die Verwendung eines Kondoms. Das edle Ziel dahinter: Der Bevölkerung des 180 Millionen Einwohner starken Landes sollte das Thema Familienplanung ein Stück näher gebracht werden. Immerhin: Dort herrscht ein jährliches Bevölkerungswachstum von zwei Prozent. Doch das Ansinnen kam nicht an. Nachdem sich offenbar Tausende Muslime beschwert hatten, schritt die Medienaufsicht des Landes ein. Die Argumentation: Der Spot sei eine „schiere Missachtung unserer soziokulturellen und religiösen Werte“, zitiert das Magazin Variety eine entsprechende Erklärung.

Umso erstaunlicher, dass in Pakistan gleichzeitig türkische TV-Serien sehr beliebt sind. Darunter sei auch das Format „Verbotene Liebe“, so das Blatt weiter. Darin zu sehen seien vollbusige türkische Schönheiten in Miniröcken. Gespickt seien die Geschichten mit Liebe Dreiecksbeziehungen und sogar Inzest. Und dem nicht genug. „Noor“ zum Beispiel handle von einer Frau, die einen Mann verfolge, der um seinen toten Liebhaber trauere. Und schließlich gebe es noch „Das prächtige Jahrhundert“, wo es ebenfalls recht munter zugeht. Letztere TV-Serie wurde immerhin in 48 Länder verkauft. Verbreitet ist sie mittlerweile vor allem im Nahen Osten und erreicht schätzungsweise 200 Millionen Zuschauer.

Türkische TV-Serien bringen 130 Millionen Dollar

Insgesamt soll der Verkauf türkischer TV-Serien im vergangenen Jahr satte 130 Millionen Dollar eingebracht haben. Zum Vergleich: 2007 wurden damit nur Umsätze von etwa einer Million Dollar erzielt. Unbestritten ist die türkische Kultur in dieser Region derzeit der Renner. Das, was in den türkischen Formaten gezeigt wird, sehen die Menschen entsprechend als so etwas wie einen Gegeneinfluss zu ihrem Leben unter ultrakonservativen Regeln (mehr hier). In der Türkei erzielt „Das prächtige Jahrhundert“ übrigens jeden Mittwochabend zur besten Sendezeit einen Marktanteil von gut 27 Prozent.

Nun ist es jedoch nicht so, dass konservative pakistanische Kräfte die Inhalte der drei Sendungen widerstandslos dulden würden. Durchaus gab es bereits Bestrebungen, das Zeigen der verschiedenen Spielarten vermeintlich skandalösen Verhaltens zu unterbinden. So argumentierte die Pakistanische Produzenten Vereinigung zum Beispiel, dass die türkischen Serien lokale TV-Produzenten untergraben würden. Doch bisher hat die Regierung keinerlei Maßnahmen vorgenommen.

Widerstand in Ägypten und der Türkei

Anders verlief die Sache jüngst jedoch in Ägypten. Erst im vergangenen August wurden hier gleich mehrere Sender türkische Formate von den Bildschirmen verbannt. Der Hintergrund: Auf diese Weise äußerten sie ihren Protest gegen den türkischen Premier Recep Tayyip Erdogan und dessen Unterstützung für den abgesetzten Präsidenten Mohammed Mursi (mehr hier).

Widerstand winkt ironischerweise auch im eigenen Land. Viel Staub wirbelt hier vor allem die Kultserie „Das prächtige Jahrhundert“ auf. Eine Klage gegen das Format wurde allerdings abgewürgt (mehr hier). Und obschon Hauptdarstellerin Meryem Üzerli die Serie mittlerweile verlassen hat, erfeut sich diese ungebremster Beliebtheit.

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