Demonstration an der ODTÜ: Türkische Polizei setzt erneut auf massiven Tränengaseinsatz

An der Technischen Universität des Nahen Ostens (ODTÜ) ist es erneut zu schweren Zusammenstößen zwischen der Polizei und Demonstrierenden gekommen. Um die Menge zu zerstreuen, setzten die Beamten Tränengas und Wasserwerfer ein. Auch Kinder wurden in Mitleidenschaft gezogen.

Am Donnerstag haben Studenten der Technischen Universität des Nahen Ostens (ODTÜ) in Ankara erneut gegen den Bau einer Straße, die durch den Campus führen soll, demonstriert. Die türkische Polizei ging harsch gegen die Gruppe von rund 200 Personen vor. Kinder, die sich dort zum Schwimmunterricht aufhielten, sollen ebenfalls betroffen gewesen sein.

Der türkischen Zeitung Hürriyet zufolge, soll sich eine Gruppe von gut 200 Leuten am Campus-Eingang versammelt haben. Ihr Protest soll sich nicht nur gegen den Straßenbau und damit die Zerstörung von gut 3000 Bäumen gerichtet haben. Die Demonstranten brachten auch ihren Unmut über eine Polizeirazzia im Istanbuler Viertel Gülsuyu zum Ausdruck. Dort war am 30. September bei einer Auseinandersetzung zwischen einer linken Gruppierung und Drogendealern der 21-jährige Hasan Ferit Gedik getötet worden.

In der vergangenen Nacht setzten die Beamten nun abermals Wasserwerfer und Tränengas ein, um die Menschenmenge zu zerstreuen. Einige Demonstranten sollen das nach Angaben der Nachrichtenagentur Doğan mit Steinwürfen beantwortet haben.

Im Verlauf soll auf einer Grünfläche des Campus ein kleines Feuer ausgebrochen sein. Angeblich war das durch Tränengas-Kanister der Polizei verursacht worden. Der Brand konnte jedoch schnell gelöscht werden. Verheerender war allerdings der Umstand, dass diesmal offenbar auch Kinder in Mitleidenschaft gezogen wurden. Die Kleinen hatten gerade Schwimmunterricht auf dem Campusgelände und sollen Tränengas abbekommen haben. Wie schwerwiegend die Verletzungen hierdurch waren, ist allerdings nicht bekannt.

Bereits seit dem 6. September wird an der ODTÜ gegen die geplanten Baumaßnahmen demonstriert. Vorgesehen sind zwei Straßen, die sich über das Campusgelände ziehen. Die kleinere der beiden Straßen soll wie geplant umgesetzt werden. Die zweite soll nun durch einen Tunnel geführt werden, um den Eingriff in die Umwelt zu minimieren.

Nach den heftigen Gezi-Park-Protesten im Sommer waren diese im Herbst wieder aufgeflammt. Mitte September kam es erneut zu Zusammenstößen mit der Polizei in Istanbul, Ankara und Izmir. Auslöser war der Tod eines Demonstranten in der südöstlichen Provinz Hatay (mehr hier).

Erst Anfang Oktober hat sich die internationale Menschenrechtsorganisation Amnesty International zu Wort gemeldet. Der Vorwurf: Die türkische Polizei habe im Zuge der Gezi-Park-Proteste „eine ganze Reihe von Menschenrechtsverletzungen“ begangen. In ihrem Bericht kristisiert die Menschenrechtsorganisation, dass die Verantwortlichen nicht zur Rechenschaft gezogen werden. Die Opfer der Gewalt leiden unterdessen noch immer (mehr hier).

Mehr zum Thema:

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Amnesty International: Türkische Polizei hat bei Gezi-Protesten Menschenrechte exzessiv verletzt
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