Gegen Zuwanderung: Rechte Online-Aktivisten sind deutschlandweit vernetzt

In Europa sind rechte Gruppierungen online vernetzt. Eine von ihnen ist die „Identitäre Bewegung“. Ihre Anhänger wenden sich nach eigenen Angaben gegen „Massenzuwanderung“ und den Islam. Doch ihre Anhänger und Sympathisanten kommen nicht aus den Unterschichten Europas, sondern aus der Mitte der Gesellschaft.

In der Online-Welt gibt es eine Reihe von rechten Gruppen, die untereinander vernetzt sind. Das Hauptanliegen der Online-Aktivisten ist der Stopp der „Massenzuwanderung“ aus muslimischen Ländern.

Zu ihnen gehört eine Gruppierung, die sich „Identitäre Bewegung Deutschland“ (IBD) nennt. Sie treten nach eigenen Angaben für „den Schutz des europäischen Kontinents vor Überfremdung, Massenzuwanderung und Islamisierung“ ein. Im Oktober 2012 wurde die erste Gruppe in Deutschland auf Facebook angemeldet. Nach zwei Monaten hatte die Facebook-Gruppe 4000 Unterstützer. Das geht aus einer Kleinen Anfrage der Bundestagsfraktion DIE LINKE hervor.

Doch die Unterstützer rekrutieren sich nicht aus dem Bereich der deutschen Unterschicht, sondern aus der Mitte der Gesellschaft.

In der Kleinen Anfrage heißt es:

„Als Symbol benutzen die Identitären den griechischen Buchstaben Lambda auf gelbem Grund, der im Historienfilm „300“ die Schilde der gegen eine feindliche Übermacht der Perser ankämpfenden antiken spartanischen Soldaten schmückte. Dazu kommen Elemente der Jugendpopkultur bis hin zu Motiven aus dem Animationsfilm Avatar.“

Die Facebook-Seite der Bewegung ist aufschlussreich. Dabei berufen sich die IBD-Aktivisten auf ein Zitat von Platon. „Wenn die Guten nicht kämpfen, werden die Schlechten siegen“, so Platon. Als die Guten sehen sie sich offenbar selbst. Wer die Schlechten sind ist deutlich zu erkennen: Die Muslime.

So wird ein historischer Bezug auf die Schlacht von Lepanto im Jahr 1557 genommen, wo Spanien, Venedig und Genua, einen überraschenden Sieg über das Osmanische Reich erzielten.

Der Administrator der IBD-Homepage stellt die Frage: „Wer rüstet schon für sein persönliches Lepanto?“

In der Kritik der rechten Aktivisten steht auch die „entartete Globalisierung“ und Politiker aller deutschen Parteien. An anderer Stelle regen sich der Administrator und einige IBD-Unterstützer darüber auf, dass das Denkmal Erwin Rommels „geschändet“ wurde. Es sei nicht nachzuweisen, dass Rommel ein Nationalsozialist gewesen ist. Zudem verdiene seine militärische Laufbahn Anerkennung.

„Abschließend ist zu sagen, dass vieles auf Spekulationen auf gebaut ist und gerade die Generation, die diese Geschehnisse nicht direkt mitbekommen hat, sollte sich ein ums andere Mal überlegen, über ihre eigenen Großeltern zu richten und sich einmal die Frage stellen, ob sie nicht bei so einer heiklen Situation das gleiche getan hätten.“

Die IBD steht der rechtsgerichteten Jugendzeitschrift „Die Blaue Narzisse“ und dem „Institut für Staatspolitik“ nahe. Für den Präsidenten des Bundesamtes für Verfassungsschutz, Hans-Georg Maaßen, ist die IBD eine „virtuelle Erscheinungsform des Rechtsextremismus“. Das Landesamt für Verfassungsschutz Bremen erkennt personelle Verbindungen zwischen der IBD und der rechtsextremen Bewegung. In der Antwort der Bundesregierung zur Kleinen Anfrage der Linken heißt es:

„Derzeit existieren bundesweit über 50 lokale bzw. regionale IBD-Untergruppen, die sich selbst der `Identitären Bewegung´ zurechnen. Zahlreiche Aktivisten agieren lediglich über das Internet, teils unter verschiedenen Pseudonymen. Nur ein Teil dieser Personen tritt auch in der Realwelt in Erscheinung. (…) Derzeit existieren bundesweit über 50 lokale bzw. regionale IBD-Untergruppen, die sich selbst der `Identitären Bewegung´ zurechnen.

Die IBD unterhält Kontakte zu anderen `identitären´ Gruppen im europäischen Ausland (u. a. Frankreich, Italien, Österreich). Diese erfolgen insbesondere im Rahmen einer Vernetzung über das Internet. Die IBD wurde im Gemeinsamen Abwehrzentrum gegen Rechtsextremismus/-terrorismus (GAR) mehrfach anlassbezogen thematisiert.“

Die IBD wird von mehreren Verfassungsschutz-Ämtern der Bundesländer beobachtet.

Das Simon Wiesenthal Center (SWC) sagte in einem DTN-Interview im März, dass rechtsradikale Internet-Seiten in vermehrter Weise in sozialen Netzwerken wie zum Beispiel Facebook auftauchen. „Wir verfolgen so viele Seiten, wie wir können“, so das SWC. Das Center habe eine Anlaufstelle für Hinweise von Bürgern eingerichtet. Der Kontakt könne über die E-mailadresse ireport@wiesenthal.com erfolgen (mehr hier).

Mehr zum Thema:

„Gemüseverkäufer“ bei der Polizei: Rechte Partei hetzt gegen Deutsch-Türken
Geschmacklosigkeit bei Anne Will: Islamisten-Gespräch 20 Jahre nach Solingen
Plakataktion der Initiative Sicherheitspartnerschaft schürt Vorurteile

Kommentare

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.