HSBC: Arabischer Frühling kostet Mittleren Osten 800 Milliarden Dollar

Der Arabische Frühling hat sich nicht nur auf Politik und Gesellschaft der betroffenen Staaten ausgewirkt, sondern auch beachtliche ökonomische Spuren hinterlassen. Wie die HSBC Bank herausgefunden hat, ist das Bruttoinlandsprodukt in diesen Ländern um ganze 35 Prozent niedriger, als es eigentlich sein müsste. Vorausgesetzt die Ereignisse von 2011 hätten nicht stattgefunden.

Bis zum Ende des kommenden Jahres werden die Ereignisse des Arabischen Frühlings die Volkswirtschaften im Mittleren Osten nahezu 800 Milliarden Dollar gekostet haben. Das hat die Großbank HSBC geschätzt. Der Grund: Nach wie vor sind die betroffenen Staaten damit beschäftigt, Stabilität herzustellen.

In einem so genannten Research-Bericht prognostiziert die HSBC, dass am Ende des Jahres 2014 das Bruttoinlandsprodukt in den sieben am stärksten betroffenen Ländern, nämlich Ägypten, Tunesien, Libyen , Syrien, Jordanien , Libanon und Bahrain, 35 Prozent niedriger sei, als es ohne die Turbulenzen des Jahres 2011 gewesen wäre.

„Die Kombination aus einem starken Verschlechterung der Haushaltslage und einem Rückgang der Effektivität der Regierung, der Sicherheit und der Rechtsstaatlichkeit wirkt schwer auf die Bemühungen der Politik. Auch, wenn es darum geht, die Beschäftigung wieder auf ein vorrevolutionäres Niveau zu führen“, zitiert Reuters den HSBC-Report.

Der HSBC-Prognose zufolge, würde sich das BIP-Wachstum im Nahen Osten und in Nordafrika auf 4,0 Prozent in diesem Jahr verlangsamen. Mit 4,2 Prozent würde es nur zu einer geringfügigen Belebung im nächsten Jahr kommen. 2012 waren es 4,5 Prozent, 2011 4,9 Prozent.

Nur reiche Golfstaaten ziehen Nutzen aus der Situation

Deutlich werden in der Prognose auch die großen Unterschiede zwischen der ölreichen Golfregion und den unruhigen Ländern in Nordafrika. So erwarten die Fachleute für Ägypten in diesem Jahr nur ein Wachstum von 2,2 Prozent und 3,0 Prozent für 2014. Zu groß sei der Druck auf den Staatshaushalt und die Zahlungsbilanz. Auf der anderen Seite seien die Wachstumsraten zu gering, um nachhaltig gegen die Arbeitslosigkeit im Land anzugehen. Auch die türkische Exportwirtschaft spürte die Folgen des Arabischen Frühlings deutlich (mehr hier). Ihr Einflussgebiet habe sie jedoch deutlich ausweiten können, so die Analysten (mehr hier).

Anders die Lage in einigen Golfstaaten: Hier führte der Arabische Frühling teils zum einem Anstieg der Ölpreise. Die Regierungen steigerten ihre Ausgaben für das Sozialwesen. Die Länder florieren. Die HSBC erwartet entsprechend 4,3 Prozent Wachstum für dieses Jahr und einen leichten Rückgang auf 4,0 Prozent für 2014. Doch auch diese Volkswirtschaften gingen nicht unbeschädigt aus den Ereignissen des Jahres 2011 hervor. So befeuerte die Abhängigkeit vom Öl auch die Staatsausgaben und verhinderte politisch sensible Reformen. Profitiert hätten am Ende also nur die reichsten Golfstaaten Katar, Abu Dhabi und Kuwait.

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