Türkei: Nach Wirtschafts-Aufschwung kein Interesse mehr an EU-Beitritt

Brüssel verlangt von Ankara weitere EU-Reformen. Nur dann sei ein erfolgreicher Beitrittsprozess möglich. Doch Zweidrittel des türkischen Volks hat das Interesse an der EU verloren. Das Vertrauen in den heimischen wirtschaftlichen Aufschwung ist ungebrochen.

Die Türken haben das Interesse an einem EU-Beitritt verloren. Das liegt offenbar an dem Selbstvertrauen, welches durch den Wirtschaftsaufschwung angewachsen ist. Denn Zweidrittel der Türken sagen, dass die Türkei die EU nicht nötig habe.

Die Deutsch-Türkische Stiftung für Bildung und wissenschaftliche Forschung (TAVAK) in Istanbul fand dies im Rahmen einer Umfrage heraus. Nur 19 Prozent zeigen sich noch optimistisch hinsichtlich eines Beitritts. Vergangenes Jahr waren es noch 34,8 Prozent.

So spiele die abweisende Haltung einiger EU-Länder eine große Rolle beim Stimmungswandel der Türken, berichtet die Hürriyet. Insgesamt 64 Prozent aller Türken sagen, dass Deutschland den EU-Beitrittsprozess ohnehin behindere. Etwa 25 Prozent sehen Frankreich als die treibende Kraft hinter den Türkei-Gegnern.

Auch aufgrund der anwachsenden anti-islamischen Ressentiments in Europa wird die EU immer unbeliebter. Doch die EU möchte am Beitrittsprozess festhalten. Denn ein neues Verhandlungskapitel würde der Türkei helfen, sie auf EU-Kurs zu halten. Das jedenfalls sind die Gedankengänge von EU-Diplomaten.

Obwohl die Niederlande und Deutschland „große Bedenken“ haben, möchte Brüssel die Türkei „an Bord“ halten, sagte Anfang Oktober ein EU-Diplomat. Doch Ankara erwartet, dass der neue EU-Fortschrittsbericht schlecht ausfallen werde. An diesem Mittwoch, den 16. Oktober, wird die EU-Kommission den neuen Bericht veröffentlichen (mehr hier).

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