Schwulenfeindlicher Übergriff? Holländischer Diplomat in Moskau überfallen

Ein niederländischer Diplomat ist am Dienstagabend in seiner Moskauer Wohnung überfallen worden. Die unbekannten Täter hinterließen ein Herz und die Abkürzung LGBT auf einem Spiegel. Die russischen Behörden haben die Ermittlungen aufgenommen. Der Vorfall dürfte die ohnehin angespannten niederländisch-russischen Beziehungen zusätzlich belasten.

Der 60-jährige niederländische Diplomat Onno Elderenbosch ist am Dienstagabend Opfer eines Überfalls geworden. Die Täter lauerten vor der Wohnung des Vize-Botschafters im Herzen Moskaus. Sie stießen ihn fesselten und attackierten ihn. Bisher ist nicht bekannt, wer sich hinter dem Angriff verbirgt. Es ist jedoch von einem homophoben Hintergrund auszugehen.

RIA Novosti zufolge, drangen die Täter in seine Wohung ein, stießen ihn zu Boden, banden ihn fest und plünderten anschließend die Räumlichkeiten. Wie die BBC hierzu berichtet, soll Elderenbosch nur geringfügig verletzt worden sein. Derzeit ist von zwei Männern die Rede, die sich als Elektriker ausgegeben hätten und den Strom in seiner Wohnung überprüfen wollten. Als der 60-Jährige dann die Tür öffnete, hätten die beiden ihn überwältigt. „Moskau drückt sein Bedauern über diesen Vorfall aus“, so der Sprecher des russischen Außenministeriums, Alexander Lukashevich. Er sicherte zu, dass die russischen Strafverfolgungsbehörden alle notwendigen Schritte unternehmen würden, jene zu finden und zu bestrafen, die in diesem Verbrechen beteiligt seien.

Unterdessen fördert die russische Boulevardzeitung Life News weitere Details des Überfalls zutage. Das Blatt, das enge Beziehungen zu den Sicherheitsorganen unterhalten soll, berichtet, dass die Angreifer nichts gestohlen haben sollen. Stattdessen hätten sie mit einem pinkfarbenen Stift ein großes Herz auf einem Spiegel hinterlassen. Darunter habe sich die Abkürzung LGBT befunden, was auf ein homophobes Motiv hindeute. Die Niederlande stehen Russlands Umgang mit Homosexuellen äußerst kritisch gegenüber.

Der Vorfall dürfte die Beziehungen zwischen Russland und den Niederlanden ausgerechnet im „russisch-niederländischen Jahr der Freundschaft“ nun noch weiter verschärfen. Erst vor kurzem sorgte die kurzzeitige Festnahme des russischen Diplomaten Dimitrij Borodin in Den Haag für Spannungen zwischen den beiden Ländern. Der Verdacht der Nachbarn: Er soll seine Kinder misshandelt haben. Von russischer Seite wurde dann der Vorwurf laut, die niederländische Polizei hätte den Mann mit einem Schlagstock verprügelt. Die Niederlande haben sich zwischenzeitlich für den Vorfall, der gegen das Wiener Übereinkommen über diplomatische Beziehungen verstieß, entschuldigt. Gewaltanwendung gegenüber dem Diplomaten soll es jedoch nicht gegeben haben. Im September enterten russische Behörden zudem ein unter niederländischer Flagge fahrendes Greenpeace-Schiff. Die Arctic Sunrise wurde nach einer Protestaktion von Greenpeace-Aktivisten in der Arktis von der russischen Küstenwache gestürmt. Derzeit bemühen sich die Umweltschützer noch immer, die 30 inhaftierten Aktivisten auf Kaution freizubekommen.

Noch am Dienstagabend kündigte der niederländische Außenminister Frans Timmermans in einem Facebook-Eintrag an, dass die Niederlande den russischen Botschafter vorlade. Er solle die Situation erklären. Zudem erwarte er, dass die russischen Behörden angemessen auf den Vorfall reagieren.

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