Russland: Tschetschenen bleiben Karrieren im Militär vorenthalten

Der Argwohn Moskaus gegen Tschetschenen aus dem Kaukasus sitzt offenbar tief. Ihnen bleibt der Dienst beim russischen Militär komplett verwehrt. Dabei gehört Tschetschenien zur Russischen Föderation und hat auch ethnische Nicht-Russen in ihren Reihen.

Die russischen Streitkräfte achten genau darauf, dass sich keine Tschetschenen in ihren Reihen befinden. Ab 1992 hat das Militär die Rekrutierung von Tschetschenen aus dem Kaukasus eingestellt.

Dabei braucht Russland dringend Rekruten. Die jährliche Anzahl von 300.000 Rekruten kann den Personal-Bedarf nicht mehr decken. Dabei sind zum aktuellen Zeitpunkt insgesamt 80.000 junge Tschetschenen wehrtauglich.

2001 hatte Moskau ein Pilotprojekt für ein mögliches Umdenken gestartet. Es wurden Dutzende Jungen aus Tschetschenien nach Moskau gebracht, um sie militärisch auszubilden. Doch es kam zu großen Unstimmigkeiten und Streitereien zwischen den potentiellen Rekruten und ihren Vorgesetzten. Einige Monate später verließen die Jungen Moskau und gingen nach Tschetschenien zurück, berichtet kavkaz-uzel.ru.

Anschließend entschied sich der Kreml dazu, bis auf unabsehbare Zeit keinerlei Tschetschenen in das Militär einzubinden. Das gelte auch für die russischen Verbände in Tschetschenien. Moskau traut ihnen nicht. Es wird befürchtet, dass sie im Zuge ihres Dienstes die Seiten wechseln und zu den kaukasischen Rebellen überlaufen könnten.

Auf der anderen Seite herrscht in der russischen Bevölkerung eine große Abneigung Tschetschenen. Davon sind Angehörige des russischen Heeres nicht ausgeschlossen. Aus dem Kaukasus werden ausschließlich Tscherkessen, Kabardiner, Balkaren und Karatschaier rekrutiert. Doch neben Tschetschenen bleibt der Militärdienst auch den Inguschen und Dagestanern verwehrt.

Als das seien Anzeichen dafür, dass Moskau mehr und mehr an Einfluss im Nordkaukasus verliert, schreibt Mairbek Vatchagaev von der Jamestown Foundation. Es komme zu einer Zweiteilung des Nordkaukasus. Auf der einen Seite seien die kontrollierbaren und auf der anderen Seite die unkontrollierbaren Volksgruppen.

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