Verstoß gegen Verkehrsregeln: Türkische Polizei hat TV-Serien im Visier

Die türkische Polizei geht bei der Verbesserung der Verkehrssicherheit ungewöhnliche Wege. Neuerdings nehmen die Ordnungshüter hiesige TV-Serien unter die Lupe, um dort nach Verstößen zu fahnden. Der Gedanke dahinter: Die Darsteller gelten den Bürgern als die Vorbilder schlechthin.

Die türkische Polizei versucht seit gut einem Jahr mit Hilfe etwas unorthodoxer Methoden für mehr Sicherheit auf den Straßen des Landes zu sorgen. Gleich mehrere Teams haben in den vergangenen elf Monaten vor den TV-Geräten zugebracht, um in den beliebten Daily Soaps nach Verkehrsdelikten Ausschau zu halten. Eine Sensibilisierung im TV, so die Hoffnung, übertrage sich irgendwann auch auf die Zuschauer.

Das ungewöhnliche Projekt läuft bereits seit vergangenen Oktober. In gut elf Monaten haben sich die Beamten 2000 Folgen diverser Serien angesehen und analsyisert. Genau sah die Polizei hin, ob die Darsteller etwa einen Sicherheitsgurt anlegten, auf rote Ampeln achteten oder aber ein Handy am Steuer benutzten, berichtet die türkische Zeitung Hürriyet.

Beobachtungsspektrum soll erweitert werden

Und in der Tat. Die Beamten wurden nicht nur einmal fündig. Sie kontaktierten sowohl die Produzenten als auch die Regisseure der Formate und baten um Unterstützung. Mit Erfolg: „Als wir anfingen wurde sich nur in zehn Prozent der Serienfälle an die Verkehrsregeln gehalten. In kurzer Zeit kletterte dieser Wert nun auf 80 Prozent“, so Mehmet Kamil Ekmekçi, einer der zuständigen Beamten.

Am Ende ihrer Arbeit angelangt sind die Ordnungshüter allerdings noch lange nicht. Das Ziel: In Zukunft soll sich in den türkischen TV-Serien zu 100 Prozent an die Regeln gehalten werden. Hierzu wollen die Beamten nun ihr Beobachtungsspektrum erweitern. Unter Augenschein genommen werden sollen künftig auch Kinofilme und das alltägliche Fernsehprogramm. „Wenn sich unsere Prominenten und Künstler sowohl im Film als auch im echten Leben an die Verkehrsregeln halten, dann schaffen sie damit auch ein Bewusstsein bei den Bürgern“, sagt Ekmekçi. Immerhin handle es sich bei den Türken um eine echte TV-Nation, entsprechend gelten die Akteure hier als tatsächliche Vorbilder.

Verstöße werden bisher kaum geahndet

Der ungewöhnliche Weg ist den Beamten übrigens nicht zu verdenken. Bereits seit gut zehn Jahren stellen Verkehrsexperten einen Aufwärtstrend bei den Verkehrsunfällen in der Türkei fest. Ihrer Ansicht nach resultieren die meisten dieser tödlichen Unfälle aus Fahrfehlern. Der Grund: Die Aufsicht bei den Führerscheinausstellungen ist zu lax und das System korrupt. Fahranfänger kämen hierzulande zu einem Führerschein ohne das Steuern eines Fahrzeugs jemals richtig gelernt zu haben (mehr hier).

Das Grundproblem dahinter: Die Gesetzgebung für mehr Verkehrssicherheit ist zwar mehr oder weniger völlig ausreichend, aber sie wird nicht durchgesetzt. Einfaches Beispiel: Sicherheitsgurte sind Pflicht, angelegt werden sie jedoch von kaum jemanden (mehr hier). Denn, und hier müssen sich die Beamten auch an die eigene Nase fassen: Die Chance bei Verstößen ungeschoren davon zu kommen ist, anders als in Europa, exorbitant hoch.

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