Diyanet-Chef: Saudi Arabien hat die Kaaba völlig zugebaut

Der Leiter des türkischen Amtes für Religiöse Angelegenheiten, Mehmet Görmez, hat die saudi-arabische Regierung wegen massiver Umbauarbeiten rund um die Große Moschee gerügt. Ausgerechnet der heiligste Ort der Anbetung, wo sich auch die Kaaba befindet, sei nahezu völlig zugebaut.

Dem Leiter des türkischen Amtes für Religiöse Angelegenheiten, Mehmet Görmez, sind die jüngsten Umbaumaßnahmen in Mekka ein Dorn im Auge. Während einer Sendung des Senders TRT Türk beschwerte sich der Geistliche über die neuen Konsumtempel rund um das Allerheiligste des islamischen Glaubens.

„Es kommt einem fast so vor, als wäre die Kaaba von Einkaufszentren und Hotels umzingelt“, zitiert die türkische Zeitung Hürriyet Diyanet-Chef Mehmet Görmez. Bereits seit zehn Jahren beobachte er massive Veränderungen in Mekka. Zum Besten seien diese seiner Ansicht nach allerdings nicht. Vielmehr hätten sie „die Seele der Hadsch geschwächt“. Mittlerweile würde die Kaaba von den umliegenden Gebäuden geradezu erdrückt.

Im Laufe der Zeit wäre die Pilgerfahrt mit immer mehr Luxus verbunden worden, so Görmez. Unter anderem dadurch sei die Tiefgründigkeit des religiösen Rituals, von zentraler Bedeutung für muslimische Glauben sei, massiv beschädigt worden. Der Lebensstandard sei gestiegen, die Hotels würden luxuriöser. Die Zahl der Hotels mit Blick auf die Kaaba und VIP-Suiten nehme zu. Doch gleichzeitig verblasse der Geist der Hadsch. Sowohl der Bildungs- als auch der Transformationsaspekt bleibe auf der Strecke.

Entsprechend kritisch betrachtet der Geistliche auch das Multi-Milliarden-Dollar-Sanierungsprojekt (mehr hier), das die saudische Regierung ins Leben gerufen, um mehr Platz für die Millionen von Muslimen, die die Wallfahrt machen zu schaffen. Hier, da ist er sich sicher, hätte es alternative Lösungen gegeben. „Selbst wenn die Arbeiten fortgesetzt werden, können höchstens fünf Millionen Menschen auf die Hadsch gehen. Die Nachfrage liegt jedoch bei 20 Millionen“, so Görmez. Die Lösung hätte seiner Ansicht nach eher in einer Satelliten-Stadt gelegen, die via U-Bahn-System mit dem Zentrum verbunden hätte werden müssen.

Abschließend hatte der Diyanet-Präsident jedoch auch Gutes zu berichten. Mit großer Freude nahm er die Hadsch des türkischen Präsidenten Abdullah Gül auf. Gül ist der erste türkische Präsident, der diese religiöse Pflicht noch während seiner Amtszeit ausführt. Der Präsident kehrte am Donnerstagabend in die Türkei zurück.

Die fünftägige Hadsch wird Jahr für Jahr von über zwei Millionen muslimischen Pilger gemacht. Eine große Mehrheit von ihnen reist aus 189 Ländern an. Die Pilgerfahrt gehört zu den fünf Säulen des Islam. Jeder Muslim sollte einmal im Leben den Hadsch vollziehen und nach Mekka pilgern. Sie kann nur während einiger ganz bestimmter Tage im Jahr durchgeführt werden und besteht aus vielen Teilen oder Aufgaben.

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