Flüchtlinge in der Türkei: Qualifizierte Syrer wollen Situation aktiv verbessern

Die rund 500.000 syrischen Flüchtlinge in der Türkei leben großteils unter miserablen Bedinungen. In der südtürkischen Stadt Kilis wurde aus der Not eine Tugend gemacht. Hunderte qualifizierte Syrer helfen hier mit, um selbst für eine Verbesserung der Situation zu sorgen. Als Lehrer, Krankenschwestern und Ärzte sind sie aktiv eingebunden.

Anstatt syrische Flüchtlinge ihrem Schicksal zu überlassen, wählt man in der südtürkischen Stadt Kilis einen anderen Weg. Die Organisation International Blue Cross (IBC) hat sich hier mit den Syrern vor Ort zusammengeschlossen. Sie rekrutiert Flüchtlinge als Lehrer, Ärzte und Krankenschwestern, damit sie selbst eine ganze Reihe von Bildungs-, Medizin-und Verwaltungseinrichtungen am Laufen halten.

„Die Gehälter der syrischen Angestellten liegen etwa 400 Dollar unter denen, die sie in ihrer Heimat bekommen hätten“, zitiert das Portal Yahoo News den IBC -Mitbegründer und Vizepräsident Muzaffer Baca. Der Anreiz hier mitzuwirken, sei jedoch ein anderer. Fest macht Baca die Bestrebungen am Beispiel von Lehrern. So würden diese nach Jahren der Gewalt nun Trost in den Klassenzimmern finden. Mit ihrer Tätigkeit hätte ihre Perspektive eine völlig neue Wendung erfahren. Bevor sie an der syrischen Schule in Kilis  begonnen hätten, sei ihre Situation wie die vieler anderer syrischer Flüchtlinge gewesen. Verzweifelt hätten sie um Nahrung, Kleidung und andere Dinge ringen müssen. „Doch seit sie wieder arbeiten, hat sich das geändert.“

Einkommen verschafft neue Perspektive

Wie wertvoll solche Tätigkeitsmöglichkeiten sind, beschreibt auch der 20-jährige Mohammed. Der Psychologe arbeitet in Kilis als Übersetzer. Die Situation fernab der Heimat könne bei den Flüchtlingen, viele von ihnen seien ausgebildete Fachkräfte, ein Gefühl der Hoffnungslosigkeit hervorrufen. Als er selbst ankam, seien viele seiner Landsleute bereits für mehrere Monate vor Ort und in schlechter Verfassung gewesen. Zu diesem Zeitpunkt hätten sie noch darauf gehofft, dass sich die Lage in Syrien verbessern würde. Doch das bewahrheitete sich nicht. Mit wenig oder gar keinem Geld in der Tasche, habe nun die Verzweiflung Einzug gehalten.

Für einige ist das jetzt anders: „Sie tragen sich selbst. Sie fühlen sich sicherer, weil sie ein Einkommen haben“, so Baca weiter. Und dieser neu gewonnene Optimismus würde sich in den Schulklassen auch auf die Kinder übertragen. Viele der Kleinen seien in einer desolaten psychologischen Verfassung (mehr hier). Erginge es den Lehrern genauso, würde das zu nichts führen.

Unmut: Jobs für Syrer, nicht für Türken

Ein ähnliches Modell wird übrigens auch im jordanischen al-Zaatari Camp praktiziert. Mit mehr als 100.000 vertriebenen Syrern gehört es zu den größten Flüchtlingslagern der Welt. Die positiven Effekte sind auch hier deutlich spürbar. Die Menschen erhalten ihre Würde zurück, so UNICEF-Vertreter Michele Servadei. Sie seien wieder erstarkt und fühlten sich als nützliches Mitglied der Gemeinschaft. Doch auch für die Hilfsorganisationen seien sie eine wertvolle Stütze. Zum einen würden sie die Communities sehr gut kennen und würden entsprechend viel leichter akzeptiert. Zum anderen würden sie Hoffnung verbreiten, in dem sie direkt an ihrem Leben mitwirkten.

In Kilis stößt diese Art der Selbsthilfe jedoch nicht bei allen auf Gegenliebe. Innerhalb der einheimischen Bevölkerung gäbe es Baca zufolge durchaus Unmut, dass hier Arbeitsplätze für Syrer und nicht für die türkischen Bürger geschaffen würden.

Seit Anfang des Jahres werden den Camp-Bewohnern zudem demokratische Strukturen nähergebracht (mehr hier).

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