Neuer Zeitplan: 1. AKW der Türkei könnte 2023 fertig sein

Alle vier Einheiten des ersten türkischen Atomkraftwerks in Akkuyu könnten jüngsten Einschätzungen zufolge 2023 betriebsbereit sein. Das umstrittene 20-Milliarden-Dollar-Projekt hat mit bürokratischen Hürden zu kämpfen. Die geplante Inbetriebnahme der ersten Einheit im Jahr 2019 ist mittlerweile unrealistisch.

Die Planungen für das erste türkische Atomkraftwerk schreiten unweigerlich voran. Bis Anfang 2014 soll ein entsprechender Umweltbericht vorliegen, bis 2023 sollen dann alle vier Einheiten der Anlage ans Netz gehen. Das gab Vizepräsident Rauf Kasumov bekannt. Doch schon jetzt hinken die Verantwortlichen dem Zeitplan hinterher.

„Die Türkei und Russland wollen die Anlage bis 2023 abschließen. Und das wird auch passieren“, zitiert die türkische Hürriyet Rauf Kasumov. Die russischen Verantwortlichen scheinen fest entschlossen. Den von den türkischen Behörden geforderte Umweltbericht (ÇED) kann Rosatom voraussichtlich in Kürze dem Umweltministerium vorlegen.

Erster Umweltverträglichkeitsbericht abgelehnt

Allerdings liegt diese Prognose bereits Monate hinter dem ursprünglich vorgesehenen Termin. Die ersten Fragen des ÇEDs habe man bereits aufgegriffen. Nachdem alle Dokumente übersetzt worden seien, werde man diese an Moskau übersenden und dann an den Fragen arbeiten. Einverstanden ist man mit diesem Prozedere nicht. Denn: Vorgelegt würden die Fragen in Teilen. Um den Prozess zu beschleunigen hätten die Russen gerne das gesamte Paket auf einmal erhalten. Das türkische Umwelt- und Stadtplanungs-Ministerium hatte einen ersten Umweltverträglichkeitsbericht für die Anlage in Akkuyu unter Berufung auf Mängel in Form und Inhalt im Juli abgelehnt (mehr hier).

Neben der Abarbeitung von umweltrelevanten Fragen, bemühe man sich nun entsprechende Baugenehmigungen und Lizenzen für die Stromerzeugung zu erhalten. Aber: Ohne umweltrechtliches Genehmigungsverfahren kann das Unternehmen auch keine Ausschreibungen in Höhe von schätzungsweise acht Milliarden Euro für Zulieferungen starten.

Erster Reaktor voraussichtlich 2020 am Netz

Erst in der vergangenen Woche waren Gerüchte aufgekommen, dass sich das ganze Vorhaben um mindestens ein Jahr verzögern könnte. Schuld daran seien bürokratische Hürden. In der Tat hinke man bereits hinter den ursprünglichen Plänen hinterher, so ein Informant zu Reuters. Dass der erste Reaktor schon 2019 in Betrieb gehe sei mittlerweile mehr als unwahrscheinlich. Das Jahr 2020 erscheine im Augenblick viel realistischer. Ohnehin würde ein Kernreaktor in dieser Größenordnung eine Testphase von mindestens sechs bis zwölf Monate brauchen, bevor er als voll funktionsfähig eingestuft werden könne.

Hinderlich für die umstrittenen AKW-Pläne der Türkei ist jedoch noch ein ganz anderer Umstand. Die Türkei bietet bisher keine ausreichenden Ausbildungsmöglichkeiten auf dem Gebiet der Nuklear-Technologie an. Derzeit müssen sich die zukünftigen Fachleute ihr Wissen noch im fernen Russland aneignen. Ein Technologietransfer von Russland auf die Türkei wird so zu einem langfristig schwierigen Unterfangen (mehr hier).

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