Zum Bersten gefüllt: Mehr als 600.000 syrische Flüchtlinge in der Türkei

Die Zahl der syrischen Flüchtlinge in der Türkei hat die 600.000er-Marke überschritten. Mehr als 400.000 von ihnen leben allerdings nicht in den errichteten Flüchtlingscamps. Sie schlagen sich außerhalb durch. Derweil haben vor allem die türkischen Grenzstädte durch den Bürgerkrieg vor der Haustür erhebliche Einbußen hinzunehmen.

Der türkische Katastrophenschutz (AFAD) hat an diesem Montag die jüngsten Flüchtlingszahlen bekannt gegeben. Demnach befinden sich mittlerweile mehr als 600.000 syrische Flüchtlinge auf türkischem Terrain. Zwei Drittel von ihnen leben außerhalb der Camps. Prekär ist die Situation jedoch nicht nur für die Vertriebenen. Auch die türkischen Grenzstädte leiden unter dem seit fast drei Jahren andauernden Konflikt.

„Die jüngste Untersuchung wurde vor den Feiertagen zum Opferfest durchgeführt. Die Zahl ist über 600.000 geklettert“, zitiert Reuters Mustafa Aydogdu, einen Sprecher des türkschen Katastrophenschutzes (AFAD). Die Türkei und Syrien haben eine 900 Kilometer lange Grenze. Seit März 2011 tobt im Land des einstigen Verbündeten nun schon ein Bürgerkrieg. Von Anfang an war die Türkei neben Jordanien und dem Libanon eine der Hauptanlaufstellen für die Vertriebenen.

Auch im dritten Jahr wolle die Türkei die Politik der „offenen Tür“ beibehalten, heißt es. Obschon aufgrund von Zusammenstößen in den Grenzregionen immer wieder Grenzübergänge zeitweise geschlossen wurden.

Türkei gibt rund zwei Milliarden Dollar aus

200.000 syrische Flüchtlinge halten sich derzeit in den eigens errichteten Flüchtlingslagern auf. Im Augenblick gibt es 21 dieser Zelt- bzw. Containerlager. Die meisten von ihnen wurden in der Nähe von Städten entlang der türkisch-syrischen Grenze aufgeschlagen. Der größere Teil versucht sich auf eigene Faust durchzuschlagen, kommt bei Verwandten unter oder mietet selbst eine Wohnung an. Die Bedingungen, unter denen die Menschen leben, sind teils jedoch katastrophal (mehr hier). Große Sorge bereitet aber vor allem die Situation der Kinder (mehr hier).

Nach Angaben des türkischen Premiers Recep Tayyip Erdoğan habe die Türkei bisher rund zwei Milliarden Dollar für die syrischen Flüchtlinge aufgewendet. Die Vereinten Nationen rechnen jedoch damit, dass sich das Flüchtlingsproblem weiter verschärfen wird. Im Jahr 2014 werde es weitere zwei Millionen syrische Flüchtlinge geben sowie 2,25 Millionen weitere innerhalb Syriens.

Verheerend ist die Situation vor allem für die türkischen Grenzstädte. Noch bis vor einigen Jahren waren die Städte entlang der Grenze belebt und Dreh- und Angelpunkt für unzählige Händler. Geschäfte wurden mit allem gemacht: Von Textilien und Elektronik bis hin zu Lebensmitteln und Autoteilen. Seit Beginn der Unruhen im Nachbarland ist das anders. Viele von der PYD kontrollierte Grenzübergänge wurden von der Türkei geschlossen. Mit veehrenden Folgen, wie die BBC berichtet. Die Geschäfte kommen zum Erliegen, das Leben aus den Straßen ist verschwunden und die Jugend fürchtet um ihre Zukunft.

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