Münsteraner Islamwissenschaftler lehnt die „Scharia“ als Gesetzesbuch ab

Mouhanad Khorchide ist Islamwissenschaftler an der Uni Münster und setzt sich für einen zeitgemäßen Islam ein. Er lehnt die „Scharia“ als islamisches Gesetz ab. Denn die sei nicht systematisch zusammengefasst und sei von Land zu Land verschieden ausgelegt.

Der Islamwissenschaftler Mouhanad Khorchide hält nicht viel von der „Scharia“ als Gesetzesbuch. Es gehe bei ihr nicht um ein göttliches Rechtssystem. Es sei nicht als islamisches Recht zu verstehen.

Die Vervollkommnung des Menschen sei das Ziel der „Scharia“. Für Korchide ist sie nichts anderes als „der spirituelle Weg zu Gott“, berichtet der Deutschlandfunk. In diesem Zusammenhang hänge das Verständnis der „Scharia“ von den kulturellen Traditionen der Völker ab. Deshalb sei das „Scharia“-Verständnis der muslimischen Völker so verschieden.

„In Ländern wie Indonesien, Malaysia oder der Türkei (…) wird Demokratie als schariakonform gesehen, in anderen Ländern, wie Saudi-Arabien, gilt die Demokratie als zur Scharia widersprüchlich“, sagt Khorchide im Interview mit dem Goethe Institut.

„In Afrika, wo zum Beispiel Mädchenbeschneidung eine alte vorislamische archaische Tradition ist, hat man diese menschenfeindliche Praxis als Teil der Scharia gesehen. In Ländern wie der Türkei, wo solche Praktiken nicht bekannt sind, werden sie stark abgelehnt. An diesen Beispielen sieht man, wie Traditionen die Gestaltung des jeweiligen Scharia-Verständnisses beeinflussen.“

Zudem sei die „Scharia“ nicht systematisch zusammengefasst. Allgemeingültige Vorgaben und Paragraphen gebe es nicht. Deshalb sei ein großer Spielraum für Auslegungen vorzufinden. „Das Risiko dabei ist, dass jeder die Scharia im Sinne eigener Interessen auslegt“, so Khorchide.

Eine Integration der „Scharia“ in den Westen hänge davon ab, was unter „Scharia“ verstanden werde. Ein „Scharia“-Verständnis, welches im Einklang mit den koranischen Prinzipien der Gerechtigkeit, Gleichheit, Freiheit, Unantastbarkeit der Menschenwürde und der sozialen Verantwortlichkeit des Menschen stehe, sei durchaus integrierbar, zitiert das Goethe Institut den Islamwissenschaftler.

Alle anderen Interpretationen seien Verstöße gegen den heiligen Koran. Denn der Koran sei kein Gesetzesbuch und der Islam keine Gesetzesreligion.

In diesem Zusammenhang hat Khorchide im September ein Buch herausgebracht, welches sich genauer mit der „Scharia“ auseinandersetzt. Es trägt den Titel „Scharia – der missverstandene Gott: Der Weg zu einer modernen islamischen Ethik“.

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