Ablenkung von Korruption: Russlands Politiker hetzen gegen Migranten

Die aktuellen ethnischen Unruhen zwischen Slawen und Kaukasiern in Moskau bedrohen Russlands inneren Frieden. Die Einheit der Russischen Föderation hängt von jenem Frieden ab. Doch Korruption ist ein größeres Problem als die ethnische Differenzen im Land.

Russische Lokalpolitiker und Mitglieder der Duma heizen die Hass-Stimmung gegen Migranten an. Offenbar wollen sie damit  von den maroden Strukturen innerhalb der politischen Institutionen ablenken.

Insbesondere die eigenen „Sünden“ sollen verdeckt werden. Denn Korruption ist in Russland zu einer existenziellen Bedrohung geworden. Es wandern jährlich etwa 300 Milliarden US-Dollar in dunkle Kanäle, berichtet Businessweek. Sowohl Wirtschaftsleute als auch Staatsbedienstete sind Teile dieses Teufelskreises.

Das sollen die Bürger nicht wissen, schreibt Sean Guillory vom US-Magazin The Nation. Auch Präsident Wladimir Putin soll ein Teil dieses Systems sein.

Auf einen Vergewaltigungsfall einer Russin durch einen aus dem Nord-Kaukasus stammenden Mann sagte er im August, dass das Volk endlich Taten fordere. Diese Art der „Gesetzeslosigkeit“ könne nicht mehr toleriert werden. Putin sprach damit insbesondere die fremdenfeindlichen Gefühle der Russen an.

In Russland leben aktuell zehn Millionen Migranten und weitere drei Millionen illegale Migranten. Doch der Begriff „illegal“ täuscht. Denn alle Migranten sind Staatsbürger der Russischen Föderation. Als Illegale werden sie deshalb eingestuft, weil sie bei den Einwohnermeldeämtern nicht registriert sind.

Die Situation der Migranten in Moskau ist ohnehin dramatisch. Sie verdienen im Monat durchschnittlich zwischen 300 bis 600 US-Dollar. Doch Moskau ist eines der teuersten Hauptstädte der Welt. Unter ihnen befinden sich auch zahlreiche „Arbeitssklaven“, berichtet RFE/RFL.

Zu den fremdenfeindlichen Politikern gehört neben dem Moskauer Bürgermeister Sergei Sobyanin, auch der Kreml-Kritiker Alexei Navalny, schreibt Guillory von The Nation.

Damit stehen sie nicht alleine dar. Etwa 55 Prozent aller russischen Einwohner Moskaus sagen, dass Migranten das „größte Problem“ der Gesellschaft darstellen, berichtet slon.ru. Weitere 69 Prozent finden, es gebe zu viele Migranten in Moskau.

Putin hatte im vergangenen Jahr gesagt, dass wer auch immer Russland zerstören möchte, dies durch die Schaffung von ethnischen Unruhen schaffen würde, zitiert ihn The Moscow News. Russland sei ein Vielvölkerstaat und könne nur so weiter fortbestehen.

Doch offenbar ist es nun Putin selbst, der sich mehr und mehr zum Provokateur ethnischer Unruhen verwandelt.

Mehr zum Thema:

Zuwanderung: Medwedew will keine „ethnischen Enklaven“ in Russland
Kommunikation im Internet: Putin plant Komplett-Überwachung
Fünf Tote bei Bus-Explosion in Russland: Vier Monate vor Olympia wächst die Terror-Angst

Kommentare

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.