Salafismus-Gefahr: Zwei deutsche Wissenschaftler legen Präventions-Plan vor

Der Salafismus ist eine Gefahr für die Gesellschaft. In den Reihen der Salafisten finden sich insbesondere junge Menschen. Deshalb haben die Islamwissenschaftler Rauf Ceylan und Michael Kiefer ein Buch verfasst, welches sich mit der Prävention von Radikalisierungs-Prozessen auseinandersetzt. Im Fokus steht eine Einsicht in die Hintergründe der radikalen Ideologie.

Der Salafismus ist eine radikale Strömung innerhalb des Islam. Doch nur wenige kennen die historischen Hintergründe der weltweit anwachsenden Bewegung. Nun legen die Wissenschaftler Rauf Ceylan und Michael Kiefer in einem Buch einen Präventionsplan vor. Sie bieten Aufschlüsse über den Salafismus in Deutschland. Das Werk trägt den Titel „Salafismus – Fundamentalistische Strömungen und Radikalisierungsprävention“.

Dabei bieten Ceylan und Kiefer den Lehrkräften in Deutschland tiefgehende Einblicke in historische, theologische sowie soziopolitische Hintergründe des Salafismus. Es gebe zwar in jeder Religion radikale Strömungen. Doch der Salafismus unterscheide sich durch seine Dynamik und seiner multiethnischen Zusammensetzung. So zitiert die Pressestelle der Uni Osnabrück den Islamwissenschaftler Ceylan:

„Besonders auf junge Menschen aller Herkünfte und Religionen übt er eine große Faszination aus, weil diese Strömung es anscheinend versteht, den Jugendlichen Identifikationskonzepte anzubieten, welche weder die hiesige Gesellschaft noch die muslimischen Gemeinden im Sozialisations- und Integrationsprozess zu schaffen vermögen.“

Ceylan und Kiefer beziehen sich dabei auf eine aus Saudi Arabien stammende islamistische Sekte: Der Wahabismus. Aus ihr geht der radikale Salafismus hervor. Auf Seite 53 schreiben sie:

„Im 19. und 20. Jahrhundert sollte die islamische Welt ihre bisher größten Herausforderungen erleben, sodass fundamentalistische Ideen eines Ibn Taymiyya und Abd al-Wahhab und anderer radikaler muslimischer Gelehrter reaktualisiert, in einen neuen politischen Kontext eingebettet und weiterentwickelt wurden. So wurden die religiösen Deutungssysteme, das Verhältnis von Staat und Religion, die Rolle der Religion in der Öffentlichkeit sowie nahezu alle Regelungsbereiche des islamischen Rechts wie das Personenstandsrecht, das Ehe- und Familienrecht, das Erb-, Straf- und Deliktsrecht sowie auch das Staatsund Verwaltuugsrecht durch folgende europäische Modernisierungsprozesse infrage
gestellt (…)“

Im vergangenen Jahr sagte Rauf Ceylan in einem DTN-Interview, dass sich der Salafismus gegen die islamischen Traditionen stelle. Die Salafisten wollen einen Islam der sich ausschließlich an der Zeit seiner Entstehung orientiert. Moderne Auslegungen lasse er nicht zu. Ist man erstmal Teil der Gruppierung, sei es wie in einer Sekte schwer, diese wieder zu verlassen, so Ceylan (mehr hier)

Die Sprengkraft des Salafismus ist offensichtlich. So befinden sich derzeit insgesamt 60 Deutsche in Syrien. Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich sagte im Juli, dass es sich bei den Personen um radikale Islamisten handelt, die in Syrien militärisch ausgebildet werden. Sie würden irgendwann nach Deutschland zurückkehren und wären dann ein Sicherheitsrisiko (mehr hier).

Das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) sagte im Gespräch mit den DTN, dass es verschiedene Motive gebe, warum Deutsche sich ausgerechnet jetzt nach Syrien begeben. Die Motive reichen von humanitärer Hilfsbereitschaft bis zu salafistischer Kampfbereitschaft.

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