Keine Frauen hinterm Steuer: Saudi Arabien warnt vor geplanter Protestaktion

Die saudi-arabischen Behörden haben vor Strafen für Frauen gewarnt, die vorhaben, sich an diesem Samstag ans Steuer eines Wagens zu setzen. Aktivisten rufen an diesem Wochenende zu einer erneuten Protestaktion auf. In der Vergangenheit landeten Frauen für ein solches Vergehen in Haft oder wurden ausgepeitscht. Federführend ist ein bekanntes Gesicht: Manal al-Sharif.

Saudi-Arabien hat davor gewarnt, dass es Maßnahmen gegen Aktivisten ergreifen wird, die vorhaben am kommenden Wochenende das Verbot für Frauen am Steuer zu umgehen. Via Internet hatten Frauen Videos von sich selbst beim Autofahren verbreitet. Gleichzeitig riefen sie Damen mit ausländischen Führerscheinen dazu auf, an diesem Samstag selbst zu fahren.

„Es ist bekannt, dass Frauen in Saudi Arabien das Autofahren untersagt ist. Denjenigen, die es trotzdem tun oder ihre Unterstützung zeigen, drohen Strafen“, zitiert Al Jazeera General Mansur al-Turki, Sprecher des Innenministeriums.

Strafe für Störung der öffentlichen Ordnung

Al-Turki reagierte mit seiner Warnung auf eine Online-Kampagne, die innerhalb sozialer Netzwerke gestartet wurde. Darin wurden Frauen aufgefordert, sich trotz des Verbots hinters Steuer zu setzen. Saudi Arabien ist das einzige Land weltweit, das Frauen diese Aktivität untersagt. Allerdings: Verankert ist das weder im islamischen Recht des Königreiches noch in der Straßenverkehrsordnung. Das Fahrverbot wird mit den „Traditionen des Königreichs” begründet. Gestützt wird sich auf eine als Fahrverbot interpretierte Fatwa, also ein religiöses Rechtsgutachten. Dennoch erklärte das Innenministerium am Mittwoch, dass man hart gegen jeden vorgehen würde, der „unter  dem Vorwand eines angeblichen Frauen-Fahrtags“ versuche, durch Versammlungen oder gemeinsame Märsche den „öffentlichen Frieden zu stören“.

Nach Haftstrafe: Manal al-Sharif schaltet sich erneut ein

Demonstrationen wurden von Seiten der Aktivisten jedoch auch gar nicht angekündigt. „Der 26. Oktober ist ein Tag, an dem Frauen in SaudiArabien sagen, dass sie es ernst meinen mit dem Autofahren und dass diese Angelegenheit gelöst werden muss“, so Manal al-Sharif, eine der Organisatorinnen der Aktion, die bereits 2011 für internationale Schlagzeilen sorgte. Die damals 32-jährigeal-Sherif wurde verhaftet, weil sie als Teil einer Kampagne gegen das Autofahrverbot für Frauen in Saudi Arabien ein Video von sich selbst beim Autofahren online gestellt hat (mehr hier).

Im Rahmen einer Kampagne gegen das Autofahrverbot hatten die Informatikerin und einige andere Frauen unter anderem auf Facebook mit der Initiative „Teach me how to drive so I can protect myself” dazu aufgerufen, dass sich alle Frauen am 17. Juni 2011 ans Steuer setzen und diese Aktion mit Videos und Fotos auf Facebook dokumentieren sollten. Al-Sherif erlernte das Autofahren erst mit 30 Jahren in New Hampshire. Für sie entscheidend waren damals  Schwierigkeiten als Frau ein Taxi zu bekommen sowie Belästigungen, wenn sie allein unterwegs war.

Erst nach mehreren Tagen im Gefängnis kam die junge Frau frei (mehr hier). In das Thema eingeschaltet hat sich bereits Amnesty International. Für die Menschenrechtsorganisation sei es erstaunlich, dass die saudi-arabischen Behörden den Frauen selbst im 21. Jahrhundert das Recht verweigern, legal Auto zu fahren.

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