Wegen 800 Euro: Prozess gegen Wulff beginnt Anfang November

Ex-Präsident Christian Wulff muss sich vor dem Landesgericht in Hannover verantworten. Ihm wird im Zusammenhang mit einer Hotelrechnung Vorteilsnahme vorgeworfen. Doch für die Deutsch-Türken war er auch ihr Präsident. In der Mehrheitsgesellschaft galt er hingegen als „Türken-Präsident Wulff“.

Anfang November beginnt in Hannover der Strafprozess gegen Christian Wulff. Dem Ex-Bundespräsidenten wird Vorteilsnahme vorgeworfen.

Bei einem Besuch des Oktoberfests in München soll er sich die Hotelrechnung in Höhe von 800 Euro vom Filmmanager David Groenewold bezahlt haben lassen. Er übernachtete mit seiner Ex-Frau Bettina Wulff über ein Wochenende im Bayerischen Hof am Münchner Bahnhof. Doch auch Groenewold steht unter Anklage. Ihm wird Vorteilsgewährung vorgeworfen.

Die Staatsanwaltschaft Hannover hatte Wulff im März angeboten, das Verfahren gegen ihn einzustellen. Dafür hätte er eine Geldbuße in Höhe von 20.000 Euro zahlen müssen, berichtet die Stuttgarter Zeitung. Doch Wulff lehnte den Handel entschieden ab und möchte vor dem Landesgericht in Hannover einen Freispruch erreichen.

Rückblick auf einen „Gescheiterten“

Christian Wulff galt als der erste Bundespräsident, mit denen sich auch die Deutsch-Türken identifizieren konnten. „Ich danke den Türken, die vor 50 Jahren zu uns gekommen sind und den Wohlstand und das Wirtschaftswunder mitgestaltet haben. Sie haben tatkräftig angepackt und unser Land mit vorangebracht“, sagte er in einem Interview mit der SZ.

Das waren ungewohnte Worte aus dem Munde eines deutschen Politikers.

Im Jahr 2010 entbrannte dann eine Debatte über seine Aussagen zum Islam. Wulff sagte, dass auch der Islam zu Deutschland gehöre. Das war eine Ansicht, der nur wenige Politiker in Deutschland und Bürger zustimmten. Auch der aktuelle Bundespräsident Gauck distanzierte sich von Wulff.

Ab da an wurde Wulff in der Öffentlichkeit als „Türken-Präsident Wulff“ wahrgenommen. Dabei hatte er auch im selben Jahr während einer Rede vor dem türkischen Parlament gesagt, dass das Christentum zur Türkei gehöre.

Migrationsforscher Klaus J. Bade sagte dazu in einem Deutschlandfunk-Interview:

„ (…) Der Mann hatte also erkannt, dass es eine Eigendynamik im ständigen kulturellen Wandel in einer Einwanderungsgesellschaft gibt. Denn die besteht aus dem Zusammenwachsen von Mehrheitsbevölkerung und Zuwandererbevölkerung in einem Prozess, der sich ständig verändert und den man nicht stoppen kann, sondern den man nur annehmen kann. Das ist der Punkt, um den es geht, und deswegen müssen beide Seiten hier etwas dazulernen.“

Offenbar wird sich auch in Zukunft nur schwerlich ein Bundespräsident finden lassen, mit dem sich sowohl Deutsch-Türken als auch Deutsche identifizieren können.

Die ethnische Kluft zwischen beiden Gruppen wird größer. Sie zu schließen, wird immer unwahrscheinlicher.

Mehr zum Thema:

Wahlkampf: Parteien zweigen illegal Steuergelder ab
Bettina Wulff „Jenseits des Protokolls”: „Die Güls sind echte Freunde”
Islamdebatte: Horror-Studie entpuppt sich als differenzierter Bericht

Kommentare

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.