Internationaler Kreditversicherer wählt türkische Top-Managerin in den Aufsichtsrat

Der internationale Kreditversicherer Euler Hermes hat die Türkin Ümit Boyner in seinen Aufsichtsrat gewählt. Boyner ist Ex-Vorsitzende des Wirtschaftsverbands TÜSIAD. Doch in der Vergangenheit hat sie auch politische Statements in der Türkei veröffentlicht. Sie gilt als AKP-Gegnerin.

Die Ex-Vorsitzende des türkischen Unternehmerverbands TÜSIAD, Ümit Boyner, wurde in den Aufsichtsrat des Kreditversicherers Euler Hermes gewählt.

Das Unternehmen ist Weltmarktführer im Warenkredit-Versicherungsgeschäft. Die Wahl sei auf sie gefallen, weil sich Boyner insbesondere auf den Märkten Asiens des Nahen Osten gut auskenne, berichtet das Online-Portal 4-traders.

Euler Hermes ist auch Deutschlands führender Kreditversicherer. Doch Boyner ist nicht die einzige Person der türkischen Geschäftswelt, die eine internationale Führungsposition hat. Seit Beginn des Jahres wurde zahlreiche Türken in die Vorstände und Aufsichtsräte von internationalen Großunternehmen gewählt.

Der Vorstandsvorsitzende der Koç Holding, Ali Koç, wurde in demselben Jahr in den Beirat der Bank of America berufen. Die Chefin der Sabancı Holding, Güler Sabancı, wurde in den Aufsichtsrat von Siemens gewählt. Vodafone Turkey-Chefin Serpil Timuray wurde die Verantwortung für die Märkte in Afrika, Asien und im Nahen Osten übertragen. Zudem ist sie Aufsichtsrätin bei der Vodacom Group in Südafrika (mehr hier).

In Führungspositionen der höchsten Ebene von Weltkonzernen befinden sich aktuell 50 Türken, berichtet das Nachrichtenportal yazete.com. Dazu gehört auch Coca Cola-Chef Muhtar Kent (mehr hier).

Doch die neue Euler Hermes-Aufsichtsrätin Boyner fiel während ihrer Amtszeit als TÜSIAD-Vorsitzende auch mit regierungskritischen Aussagen auf. „Wir befürchten, dass erneut ein autoritäres Regierungssystem herrschen wird. Das macht es schwer, Lösungen für unsere Probleme zu finden“, sagte Boyner auf der zweiten großen Jahres-Versammlung der TÜSIAD im Jahr 2012.

„Der Staat sollte nicht die legitimierte Politik einschränken und weiterhin innerhalb der gesetzlichen Gegebenheiten handeln“, so Boyner. Die Politik müsse wieder transparenter sein und die Regierung wieder die Interessen ihrer Bürger vertreten. In diesem Zusammenhang dürfe sich der Kampf gegen den Terrorismus nicht nur auf militärische Aktionen beschränken (mehr hier).

Die Aussagen Boyners überraschten wiederum andere regierungskritische Kreise in der Türkei. Denn der Unternehmerverband TÜSIAD gehörte zu den Unterstützern des Militärputschs von 1980 und des sogenannten „sanften“ Militärputschs von 1997.

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