Anwerbung von Fachkräften: Türkei will 7000 griechische Ärzte ins Land holen

Der türkische Gesundheitsminister Mehmet Müezzinoğlu hat 7000 Ärzte aus Griechenland zum Arbeiten in die Türkei eingeladen. Die Mediziner aus dem Nachbarland ziehen aufgrund der sich immer weiter verschärfenden Wirtschaftskrise in ihrem Land einen Umzug in Betracht. Auf Wohlwollen stößt diese Einladung allerdings nicht bei allen.

Rund 7000 Ärzte in Griechenland sollen sich derzeit nach einer Beschäftigung im Ausland umsehen. Der türkische Gesundheitsminister Mehmet Müezzinoğlu würde die Fachkräfte gern in seiner Heimat sehen und hat eine entsprechende Einladung ausgesprochen. Den Bedarf für das türkische Gesundheitssystem sehen allerdings nicht alle. Außer, die Mediziner würden nicht wie bisher in privaten, sondern auch in öffentlichen Krankenhäusern arbeiten wollen.

„Den Medienberichten zufolge, schauen sich derzeit rund 7000 griechische Ärzte nach einem Job im Ausland um. Und ich brauche sie. Unsere Türen sind offen für jene 7.000 Ärzte aus Griechenland“, zitiert die türkische Zeitung Zaman den Minister. Er jedenfalls lade alle ein, in der Türkei tätig zu werden.

Gesundheitstourismus soll weiter wachsen

Müezzinoğlu zufolge sei es für die Türkei aufgrund des vorherrschenden Ärztemangels von immenser Bedeutung auf dem medizinischen Sektor voran zu kommen. Insbesondere im Auge hat der Politiker dabei den Gesundheitstourismus. Derzeit avanciert die Türkei zum neuen Hotspot für Medizin-Touristen (mehr hier). 2012 seien rund 480.000 Ausländer in die Türkei gereist, um sich hier medizinisch behandeln zu lassen. In diesem Jahr sollen es bis zu 500.000 werden. Ein Ende der Fahnenstange ist hier nach Ansicht von Müezzinoğlu allerdings noch lange nicht erreicht. In den kommenden fünf Jahren wolle er diese Zahlen um 25, 50 und dann um 70 Prozent steigern.

Sorge um Qualifikation der ausländischen Ärzte

Doch dazu braucht es qualifiziertes Personal. Derzeit kommt in der Türkei ein Arzt auf 663 Menschen. Betrachtet man die Situation in staatlichen Krankenhäusern fallen die Werte noch dramatischer aus. Hier muss sich ein Arzt um 1.084 Personen kümmern. Dennoch kommt die Einladung des Gesundheitsministers bei den türkischen Ärzten nicht gut an. Sie sorgen sich um die Qualifikationen ihrer ausländischen Kollegen. Sie fragen sich, ob diese aufgrund der Sprachbarrieren überhaupt in der Lage seien, eine adäquate Behandlung zu garantieren. Allerdings: Schon jetzt müssen diese eine Reihe von Voraussetzungen erfüllen, um überhaupt in der Türkei arbeiten zu dürfen. Dazu gehört unter anderem ein Sprachtest (mehr hier).

Auf Müezzinoğlus Einladung hat mittlerweile auch der Präsident der türkischen Gesundheitsgewerkschaft Sağlık-Sen reagiert. In einer schriftlichen Erklärung fordert Önder Kahveci, dass die griechischen Ärzte dann auch an öffentlichen Krankenhäusern eingesetzt werden müssten. Und das nicht ohne Grund: Im Augenblick sind Mediziner aus dem Ausland vor allem in Privatkliniken beschäftigt. In öffentlichen Hospitälern oder Gesundheitszentren erhalten sie für ihre Tätigkeit keine Bezahlung. Nach Angaben von  Kahveci gibt es derzeit 600 ausländische Ärzte, die in privaten Einrichtungen beschäftigt sind. „Es besteht keine Notwendigkeit zu den 600 ausländischen Ärzten griechische Ärzte ins Land zu holen. Wenn der Staat verspricht, Arbeitsplätze für ausländische Mediziner zu schaffen, dann muss auch geklärt werden, wie sie im öffentlichen Sektor eingesetzt werden können“, so Kahveci.

Griechenland: Sicherstellung der Versorgung in Gefahr

Bereits seit einiger Zeit beobachtet Athen mit Sorge eine massive Abwanderung der Ärzte. Die Folgen für das Gesundheits-System sind verheerend. Einer Studie der Medizinischen Vereinigung Athens (ISA) zufolge haben bereits 4.000 Ärzte Griechenland innerhalb der letzten drei Jahre verlassen. Die Sicherstellung der gesundheitlichen Versorgung ist in Gefahr, sollte sich dieser Trend noch lange fortsetzen. Die Ärzte seien auf der Suche nach besseren Verdienstmöglichkeiten und Karrierechancen, berichtet der Greek Reporter.

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