Trotz Fukushima: Türkische Regierung unterzeichnet AKW-Deal mit Japan

Ungeachtet der jüngsten Schreckensmeldungen aus dem havarierten AKW in Fukushima haben der türkische Premier Recep Tayyip Erdoğan und sein japanischer Amtskollege Shinzo Abe am Dienstag eine offizielle Vereinbarung über den Bau des zweiten türkischen Kernkraftwerks in der Schwarzmeer-Provinz Sinop unterzeichnet. Seit Jahren schlägt die türkische Regierung sämtliche Warnungen in den Wind. Unabhängigkeit in Energiefragen geht hier vor Sicherheit.

Japan und die Türkei sind sich seit diesem Dienstag nun auch offiziell über den Bau einer zweiten türkischen Atomanlage einig. Eine entsprechende Vereinbarung wurde durch die beiden Premiers Erdoğan und Abe unterzeichnet. Bis 2028 soll auch diese Anlage vollständig in Betrieb sein.

Bereits im Mai dieses Jahres waren sich die beiden Staaten einig und unterzeichneten einen 22-Milliarden-Dollar-Deal. Seitdem ist klar: Eine japanisch-französische Allianz, bestehend aus Mitsubishi Heavy Industries Ltd und der französischen Firma Areva, wird den Bau des zweiten türkischen Kernkraftwerks stemmen. Das neue AKW soll eine Kapazität von 4.500 bis 5.000 Megawatt (MW) haben (mehr hier).

Der japanische Premier Abe war anlässlich der feierlichen Eröffnung des Marmaray-Tunnels am Dienstag nach Istanbul gereist. Auch dieses Projekt wurde unter anderem mit Geldern der Japanischen Agentur für internationale Zusammenarbeit (JICA) finanziert. Die JICA beteiligte sich mit einem langfristigen Niedrigzins-Darlehen in Höhe von 688 Millionen Euro (mehr hier).

Erdoğan glaubt an japanische Technologie

Vor der versammelten Presse versuchte Erdoğan die türkischen Bürger trotz der aktuellen Nachrichtenlage um Fukushima noch einmal zu beschwichtigen, indem er auf die beim AKW zum Einsatz kommende, moderne Technologie verwies:

„Wir wissen, dass man unmöglich sagen kann: ‚Einen Unfall wird es nie geben.‘ Selbst, wenn die Chance dafür eins zu einer Million steht. Solch eine Gefahr, solch ein Unfall könnte passieren und es ist unmöglich das zu ignorieren. Es gibt keine Investitionen ohne Risiko, in jedem Bereich. Doch jede Firma, jedes Unternehmen sollte Maßnahmen für eine 100-prozentige Sicherheit ergreifen.“

Ideal wäre es in der Tat den Fehlerspielraum zu minimieren. Er sei jedoch überzeugt, dass Japan die modernste Technologie im Kernkraftwerk in Sinop einsetzen werde. Das sei sowohl für die Türkei als auch für Japan wichtig. Das berichtet die Hürriyet.

Das japanisch-französische Konsortium unterhielt bereits seit Mitte vergangenen Jahres Gespräche mit Ankara. Damals noch mit im Rennen: Kanada, Süd-Korea und China. Zudem stiegen zwei französische Unternehmen in den Bieterring. Im Zuge der Streitigkeiten rund um die französische Völkermord-Gesetzgebung wurden diese Angebote aber abgelehnt.

Vehemente Kritik von AKW-Gegnern

Beide AKWs haben zu bitterer und anhaltender Kritik von Umweltgruppen in der Türkei sowie einer breiten Palette von Analysten geführt. Diese warnen davor, dass das AKW in Akkuyu auf seismisch instabilen Land gebaut werde. Umweltschützer bringen zudem immer wieder die Frage auf, wo die Türkei eigentlich ihren Atommüll lagern wolle. Offiziell heißt es, dieser würde nach Russland verbracht. Bereits Anfang 2012 appellierte Greenpeace an die Türkei, doch lieber auf Solar- und Windkraft zu setzen. Rufe, die übrigens auch aus Deutschland laut wurden.

Die erste Einheit des Kernkraftwerks in Sinop soll nun bis zum 100-jährigen Jubiläum 2023 fertig gestellt sein. Vollständig am Netz soll die Anlage dann 2028 sein. Das erste türkische AKW entsteht derweil unter russischer Ägide in Akkuyu in der südöstlichen Provinz Mersin. Dessen Leistung soll bei 4800 Megawatt (MW) liegen.

Umlagern der japanischen Brennstäbe ab Mitte November

Unterdessen verheißen die Nachrichten aus Japan nichts Gutes. Bereits vor dem jüngsten Beben in Japan vor einigen Tagen schätzte der Nuklear-Experte Mycle Schneider die Lage um die Atom-Ruine von Fukushima als katastrophal ein. Die bevorstehende Bergung von 1530 beschädigten Brennelementen aus Reaktor 4 bezeichnet er als ein hochriskantes Unterfangen. Jetzt steht fest: Bereits Mitte November soll das Vorhaben starten.

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