UN: Mehr als 91.000 türkische Mütter pro Jahr sind unter 18

Trotz eines deutlichen Rückgangs an minderjährigen Müttern in den vergangenen zehn Jahren, bekommen immer noch bis zu 91.000 Mädchen unter 18 Jahren in der Türkei Jahr für Jahr ein Kind. Das geht aus den jüngsten Zahlen des Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen (UNFPA) hervor. Besonders häufig geschieht das im armen Osten des Landes. Schuld an der Misere tragen jedoch nicht die jungen Frauen. Hier müssen die Erwachsenen zur Rechenschaft gezogen werden.

Wie aus dem aktuellen Weltbevölkerungsbericht des Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen (UNFPA) hervorgeht, werden weltweit 7,3 Millionen Mädchen unter 18 Jahren Jahr für Jahr schwanger. Bis zu 91.000 von ihnen leben in der Türkei. Angegangen werden kann dieses Problem nur mit besserer Aufklärung und vor allem mit Bildung. Also durch Initiative der Erwachsenen.

„Das Verhältnis der Teenagergeburten liegt bei 29 pro 1000 [Frauen]. Das Verhältnis in Westeuropa liegt bei rund vier pro 1000“, zitiert die türkische Nachrichtenagentur Doğan Zahidul Huque, Türkei-Vertreter des UNFPA. Häufig seien Teenager-Schwangerschaften in den ärmeren, ländlichen Provinzen im Osten der Türkei anzutreffen. In der Schwarzmeer-Region gebe es wiederum einen rückläufigen Trend (mehr hier). „Die Städte mit dem höchsten Anteil sind Ağrı, Kars, Mus, Kilis, Van, Siirt, Bitlis, Niğde, Iğdır und Şanlıurfa. Rückläufig sind die Zahlen in  Trabzon, Rize, Tunceli, Artvin, Ordu, Bolu, Eskişehir, Karabük, Gümüşhane, Yalova und Giresun“, so Huque weiter.

Dem am 29. Oktober veröffentlichten UNFPA-Bericht zufolge, bringen Jahr für Jahr rund 7,3 Millionen Mädchen unter 18 Jahren ein Kind zur Welt. Das sind 20.000 Babys pro Tag. Zwei Millionen dieser Mütter sind sogar unter 15. Der höchste Anteil an minderjährigen Müttern findet sich mit 51 Prozent in Niger, gefolgt von Chad mit 48 Prozent, Mali mit 46 Prozent, Guinea mit 42 Prozent und Mosambik mit 40 Prozent.

Die Gleichstellung der Geschlechter ist ein Muss

Laut Huque entsprächen die Zahlen in etwa der von Kinderbräuten. „Eine der wichtigsten Maßnahmen muss es sein, das Bewusstsein für die Gleichstellung der Geschlechter zu stärken und diese zu gewährleisten“, so der türkische UNFPA-Vertreter. Darüber hinaus sei es wichtig, offenen Zugang über Informationen der sexuellen Gesundheit und Fortpflanzung sicherzustellen. Seiner Ansicht nach seien es die Erwachsenen, die für die Misere der Teenager verantwortlich gemacht werden müssten. „Wir sollten damit aufhören, Teenager und junge Erwachsene wegen der Schwangerschaften zu beschuldigen. Es sind die Erwachsenen, die diesen Jugendlichen und jungen Erwachsenen nicht die notwendigen Informationen, Gesundheitsdienste und Beratung anbieten. Sie sollten sich schuldig fühlen.“ Um die aktuellen Zahlen zu senken sei es deshalb wichtig, dass Teenager, vor allem die jungen Mädchen weiter zur Schule gingen.

Nach Angaben des UNFPA-Bericht „Wenn Mädchen Mütter werden – Herausforderung Teenagerschwangerschaft“ spielen vor allem die sozialen Unterschiede eine entscheidende Rolle. In all jenen Ländern, in denen Mädchen arm und schlecht ausgebildet sind und zudem in abgelegenen Gebieten leben, ist die Wahrscheinlichkeit schwanger zu werden deutlich erhöht. So wird in den ärmeren Regionen der Welt fast jedes fünfte Mädchen Mutter bevor es 18 Jahre alt ist. Besonders dramatisch: Gut 70.000 dieser Mädchen sterben jedes Jahr an den Folgen der Schwangerschaft oder der Geburt. Neun von zehn Geburten finden übrigens in einer Ehe oder einer eheähnlichen Verbindung statt (mehr hier).

Maßnahmen für junge Mädchen ungeeignet

Ein Ende der Misere ist nach Einschätzung der UNFPA allerdings nicht abzusehen. Bis dato sei nicht genug unternommen worden, um die speziellen Bedürfnisse dieser Mädchen zu verstehen und darauf einzugehen. Jene Maßnahmen, die sich an ältere Heranwachsende richteten, seien für jüngere Mädchen häufig nicht geeignet. Gelingt es nicht, diesen Trend zu stoppen, so könnte es bis 2030 gut und gerne drei Millionen Teenager-Mütter unter 15 pro Jahr geben.

Hier geht es zum Weltbevölkerungsbericht der UNFPA.

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