Zu viele Schulden: Türkische Bürger können einfach nicht sparen

Der Wille zum Sparen ist in der türkischen Bevölkerung offenbar durchaus vorhanden. Einzig an der Umsetzung hapert es. Verantwortlich dafür machen die Konsumenten ihre hohen Schulden. Das geht aus einer aktuellen Umfrage zum Sparverhalten von Verbrauchern hervor.

Die Türken wollen sparen, können das aber aufgrund ihrer hohen Schulden nicht. Dieses Ergebnis fördert der „Consumers’ Saving Tendencies Survey 2013“ zu Tage. Vorgestellt wurde der Bericht der Versicherungsgesellschaft AvivaSA und des internationalen Marktforschungsinstituts Ipsos an diesem Mittwoch.

Demnach scheint das größte Hindernis für die türkische Bevölkerung ihr aktueller Schuldenberg zu sein. Dieser hindere sie nicht nur daran Rücklagen zu bilden, sondern auch zu investieren. Viele türkische Banken sind an diesem Zustand allerdings nicht ganz unschuldig (mehr hier).

Für die Untersuchung wurden insgesamt 12.000 Personen aus elf Nationen befragt. Neben der Türkei wurden Zahlen in Großbritannien, Frankreich, Irland, Spanien, Italien , den USA, Indien , China, Singapur und Polen erhoben. Während die Verbraucher in den entwickelten Märkten angaben, einfach nicht genügend Geld zur Verfügung hätten, um zu sparen oder Investitionen zu tätigen, ist das Verhalten der asiatischen Verbraucher der Angst vor dem Verlust ihrer Investitionen geschuldet.

Nur Polen sind ängstlicher als die Türken

Der Umfrage zufolge rangieren die Türken aufgrund ihrer Schuldenlast auf Platz zwei der „ängstlichsten Verbraucher“. Noch sorgenvoller sind nur die Polen. Allerdings betrieben die Türken im Ländervergleich auch den geringsten Aufwand ihre Schulden zurück zu bezahlen. Im Durchschnitt gaben drei von zehn Verbrauchern an, aufgrund der eigenen Schulden in Sorge zu sein. In der Türkei waren es gar 4,1 von zehn, in Polen 5,5. Auf der anderen Seite gab eine Mehrheit der türkischen Verbraucher an, sie wollten „garantierte Renditen“ für ihre Ersparnisse und Investitionen erhalten. In den Augen der Verfasser ein „unmöglicher Traum“, dem die Türken übrigens gemeinsam mit den Iren nachhängen.

Obschon eine Mehrheit der 12.000 Befragten angab, etwas Geld zu sparen, fühlten sich die Menschen nicht vor unerwarteten Risiken, die ihre Ersparnisse oder Investments treffen könnten, geschützt. Anders sei die Stimmung innerhalb der türkischen Bevölkerung. Hier gebe es nach wie vor den Glauben, dass dem eigenen Geld nichts passieren könne. Insgesamt zeigten sie sich gegenüber Risiken am gelassensten unter allen Befragten. Auf der anderen Seite haben 26 Millionen Türken nicht einmal ein Konto (mehr hier).

Private Altersvorsorge ist der Renner

Rund 62 Prozent der Türken Geld sparen für Notfälle oder unerwartete Situationen. Gut 33 Prozent sparen für Dinge, die die Familie brauchen könnte. Nur 13 Prozent legen jedoch Geld für den Ruhestand zurück. Das liegt weit unter dem Durchschnitt. Kümmern sie sich doch um Geldangelegenheiten, dann griffen die türkischen Verbraucher jedoch auf unprofessionelle Quellen zurück. 67 Prozent hören auf Freunde oder Familie. Auch Zeitungen oder das Internet werden zu Rate gezogen, anstatt einen Finanzanalysten, Versicherer oder Banker aufzusuchen. Insgesamt haben es die Türken mit drastisch steigenden Lebenshaltungskosten zu tun (mehr hier).

Insgesamt sehen junge Leute hierzulande das größte Potential derzeit in privaten Altersvorsorge-Produkten. „Das System hat in der Türkei bereits 3,9 Millionen Menschen mit einem Volumen von 24,6 Milliarden türkischen Lira erfasst“ so Meral Eredenk von  AvivaSA. In den kommenden zehn Jahren soll das mit Hilfe einer staatlichen Unterstützung von 25 Prozent auf 11,3 Millionen und ein Volumen von 300 Milliarden Lira , umgerechnet 110.4 Milliarden Euro, ausgeweitet werden.

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