Eurovision Song Contest 2014: Startet die Türkei mit einem kurdischen Titel?

Eigentlich hatten sich die türkischen Fans des Eurovision Song Contests schon damit abgefunden, dass ihr Land auch 2014 nicht bei dem internationalen Musikspektakel dabei sein wird. Jetzt tritt jedoch ein Musikverband aus der südosttürkischen Provinz Diyarbakır auf den Plan. Der hat sich an den staatlichen TV-Sender TRT gewandt. Das Anliegen: Man will mit einem kurdischen Titel am Wettbewerb teilnehmen.

Der Kultur-, Tourismus und Musikverband (DİKTUM) in Diyarbakır will sich offenbar nicht damit abfinden, dass die Türkei auch 2014 beim Eurovision Song Contest fehlt. Mit einem kurdischen Titel hat man sich nun an die Generaldirektion des staatlichen Fernsehsenders TRT gewandt. Gerne wolle man damit die Türkei im kommenden Jahr in der dänischen Hauptstadt Kopenhagen vertreten.

Verbandsvorsitzender Kenan Aksu argumentiert mit der sprachlichen, religiösen und kulturellen Vielfalt des Landes. Auch das Kurdische ist seiner Ansicht nach ein Teil dieses Reichtums. „Diyarbakır ist eine Hauptstadt der Kultur, der Zivilisation und der Musik. Wir werden einen sehr guten Song für den Wettbewerb vorbereiten. Wir sind bereit“, zitiert ihn die türkische Zeitung Hürriyet. Aksu ist überzeugt, dass man die Türkei angemessen vertreten werde und viele positive Reaktionen damit ernte. Auch dem Friedensprozess sei dieser Schritt zuträglich.

Möglich ist die Teilnahme mit einem kurdischen Titel in der Tat. Bereits im April 2012 erklärte TRT-Direktor İbrahim Şahin, dass die Künstler bei der Komposition ihrer Werke in der Wahl der Sprache frei wären (mehr hier).

Allerdings ist bisher noch nicht einmal klar, ob die Türkei im kommenden Jahr überhaupt wieder am Eurovision Song Contest teilnehmen wird. Die Zeichen dafür stehen derzeit jedenfalls sehr schlecht. In diesem Jahr hatte man sich geweigert, dem Wettbewerb beizuwohnen. Die Türkei hatte die Abschaffung der Big-Five-Regel und des Juryvotings gefordert (mehr hier).

Turkvision startet im Dezember 2013

Unter dem Titel Turkvision soll in der Türkei stattdessen eine alternative zum in die Kritik geratenen Eurovision Song Contest geschaffen werden. Insgesamt 20 Länder und autonome Regionen mit türkischen Minderheiten, wie etwa der Republik Tataristan in Russland oder der Republik Krim, die Teil der Ukraine ist, können an der jährlichen Veranstaltung teilnehmen. Erstmals ausgetragen werden soll Turkvision bereits in diesem Jahr. Ende Dezember soll es in Eskişehir soweit sein. Als Alternative zum seit 1956 stattfindenden Eurovision Song Contest will Minister Nabi Avcı die neue Veranstaltung jedoch nicht verstanden wissen. Vielmehr werde der Wettbewerb seinen eigenen Platz in der Region haben. Los geht es am 19. Dezember. Runde zwei folgt am 21., im Finale am 23. Dezember sind dann nur noch zwölf Teilnehmer dabei. Eskişehir ist die Kulturhauptstadt 2013 der Turkrepubliken.

Im vergangenen September teilte die Europäische Rundfunkunion (EBU) mit, dass der Wettbewerb transparenter werden soll. 2014 müssten erstmals die Namen der Jurymitglieder eine Woche vor der Veranstaltung veröffentlicht werden. Auch ihre Entscheidungen sollen sofort bekanntgegeben werden, nachdem der Gewinner benannt wurde. Der diesjährige Eurovision Song Contest wurde von einem waschechten Skandal überschattet. Null Punkte von Aserbaidschan an Russland hatten im Frühjahr sogar den russischen Außenminister Sergej Lawrow auf den Plan gerufen.

Mehr zum Thema:

Abkehr vom Eurovision Song Contest: Turkvision wird tatsächlich Realität
Eurovision Song Contest 2014: Neues Regelwerk soll politische Abstimmung verhindern
Eurovision Rettung: Kandidat aus Aserbaidschan will auch Türkei vertreten

Kommentare

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.