Angst vor Terror in Sotschi: Russische Regierung sammelt DNA-Proben von muslimischen Frauen ein

Die russischen Behörden stellen Muslima im Land offenbar unter Generalverdacht. Wenige Monate vor den Olympischen Winterspielen in Sotschi werden jetzt DNA-Proben eingesammelt. Sie sollen dazu verwendet werden Körperteile zu identifizieren, falls eine der Frauen dort einen Selbstmordanschlag durchführt.

Die russischen Behörden sollen angeblich DNA-Proben von religiös-konservativen muslimischen Frauen im Nordkaukasus genommen haben. Geschehen sein soll das als Maßnahme der Gefahrenabwehr kurz vor den Olympischen Winterspielen in Sotschi Anfang 2014.

Die DNA werde gebraucht, um später Körperteile identifizieren zu können. Offenbar wird damit gerechnet, dass es zu einem Selbstmordattentat einer Muslima während der Olympischen Spiele kommen könnte.

Ans Tageslicht kam die ganze Sache, nachdem acht dagestanische Frauen von der Nachrichtenagentur Reuters kontaktiert wurden. Sie gaben an, zur Abgabe von Speichelproben aufgefordert worden zu sein. Die russische Polizei wollte sich dazu nicht äußern. Den Einheimischen sei erklärt worden, dass die DNA-Tests Teil einer Untersuchung nach einem Selbstmordanschlag in der Hauptstadt Makhachkala im Mai seien. Die aktuelle Maßnahme fällt jedoch auch mit Präsident Wladimir Putins jüngstem Vorgehen gegen einen islamistischen Aufstand in Dagestan zusammen (mehr hier). Kritiker sagen, diese neue harte Linie von Putin füttere die Ressentiments, die jüngsten Angriffen von Aufständischen in der Region zugrunde lägen, so Sky News.

Terrorangst vor Olympischen Winterspielen

Die Terrorangst der russischen Behörden ist durchaus berechtigt. Bereits seit den Bombenanschlägen von Boston waren die russischen Olympia-Organisatoren in Alarmbereitschaft. Seit Anfang Juli gibt es tatsächlich ernsthaften Grund zur Sorge, dass Putins Prestigeprojekt Ziel terroristischer Attacken werden könnte. Zu Wort gemeldet hatte sich einer der meistegesuchtesten Männer Russlands: Der tschetschenische Top-Terrorist Doku Umarow. Via Videobotschaft hat sich der 49-Jährige zu Wort gemeldet und die Muslime des Landes aufgerufen, Anschläge auf die anstehenden Olympischen Spiele zu verüben (mehr hier).

Verschärft haben sich die Sorgen der Russen schließlich vor wenigen Tagen. Bei der Explosion eines Linienbusses in Wolgograd starben am 21. Oktober sechs Menschen. Verantwortlich gemacht wurde dafür eine Frau aus Dagestan. In den vergangenen 13 Jahren soll es zu insgesamt 49 Anschlägen der so genannten „schwarzen Witwen“ gekommen sein. Als Reaktion darauf haben Sicherheitskräfte die Häuser von Angehörigen gestürmt, ganze Bergdörfer abgeriegelt und junge Männer, denen eine Verbindung zu den Militanten nachgesagt wurde, näher ins Visier genommen. In Folge dessen wurden auch viele Koranschulen oder religiösen Schulen und gemeinnützige Organisationen geschlossen.

Dagestan: Steigende Zahl von Salafisten

Obschon aufgrund des harschen Vorgehens der russischen Behörden viele Salafisten geflohen sind, gibt es immer noch einige die geblieben sind und sich nun bewaffnet haben. Putin lässt seine 50-Milliarden-Dollar-Spiele nun entsprechend schützen. Rund um Sotschi wurden die Sicherheitsmaßnahmen erhöht. In den Straßen patroullieren die Milizen. Innenminister Vladimir Kolokoltsev sagte dem russischen Parlament, dass die Behörden „alarmierende Information“ erhalten hätten. Nun arbeitete man daran, Führer und Mitglieder von bewaffneten Gruppen zu beseitigen. „Es gibt einfach keine andere Möglichkeiten, um diese inhumanen Monster zu bekämpfen.“

Dagestan, Russlands südlichste Provinz, hat islamische Wurzeln seit einer arabischen Invasion im siebten Jahrhundert. Die Mehrheit der 2,9 Millionen Einwohner sind Muslime. In den vergangenen Jahren gibt es eine steigende Zahl von Salafisten. Beeinflusst wurden sie durch Gelehrte, die im Nahen Osten studiert haben. Einige haben sich den islamistischen Aufständischen angeschlossen. Diese erwuchsen aus den separatistischen Kriegen im benachbarten Tschetschenien. Auch Tamerlan Tsarnaev, der für einen Anschlag auf den Boston Marathon verantwortlich gemacht wirde, verbrachte die erste Hälfte des Jahres 2012 in Dagestan.

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