Ein Jahr nach Hurrikan Sandy: Türkischer Gastronom kann wieder in die Zukunft blicken

Vor genau einem Jahr wurde das türkische Restaurant von Riza Atas während des Wirbelsturms Sandy komplett zerstört. Zunächst völlig gelähmt, begann der Inhaber dann aber doch mit dem Wiederaufbau seines Geschäftes im New Yorker Stadtteil Brooklyn. Allein musste er diesen jedoch nicht bewältigen. Von seiner Familie, Freunden und Gästen erfuhr er immensen Zuspruch.

Genau ein Jahr ist es her, dass die New Yorker Ostküste im Chaos versank. Hurrikan Sandy forderte 285 Todesopfer, die Schäden wurden auf rund 75 Milliarden Dollar beziffert. Betroffen war auch der türkische Restaurantbesitzer Riza Atas. Mittlerweile ist in seinem Istanbul Restaurant in Sheepshead Bay, Brooklyn, fast wieder Normalität eingekehrt.

Gut 17 Jahre lang war Riza Atas Restaurant der kulinarische Anziehungspunkt in der Nachbarschaft. Dann, Ende Oktober 2012 die Wende: Hurrikan Sandy fegte über den Big Apple. Sein Betrieb wurde völlig zerstört. Der Inhaber stand vor den Trümmern seiner bisherigen Existenz. Tische und Stühle waren über den ganzen Block verteilt. 30 Container Müll zog sein Vermieter aus dem Keller des Anwesens.

„Während des ersten Monats redeten wir nicht und dachten auch nicht nach“, zitiert die New York Times den Restaurantbesitzer. „Wir setzten uns einfach hin und beobachteten.“ Doch die anfängliche Lähmung wich: Nach und nach hätten sie dann begonnen, mit Freunden und dem Hausbesitzer darüber zu sprechen. Es galt herauszufinden, was in dieser Situation überhaupt getan werden kann und getan werden muss. Und das, wie sich dann herausstellte, zu größten Teilen ohne institutionelle Unterstützung. Zwar sei man versichert gewesen, doch diese griff nicht bei Hochwasserschäden. Ohne diese spezielle Zusatzpolice gab es folglich auch kein Geld. Auch die US-Katastrophenschutzbehörde hätte vorbeigesehen und Hilfe versprochen. Passiert sei dann jedoch nichts. Mit der Stadt erlebte Atas ähnliches. Aus einem 20-Millionen-Dollar-Topf an Darlehen und Zuschüssen für kleine und mittelständische Unternehmer sei nichts an ihn geflossen.

Freunde und Familie springen ein

Der Unternehmer half sich schließlich selbst. Eine Handvoll guter Freunde in den USA und Familienmitglieder aus der Türkei standen ihm mit finanziellen Mittel zur Seite. Die Zuversicht kehrte zurück und mit ihr auch die Gäste: „Die Gäste kamen und fragten, ob sie helfen könnten. Ich sagte: ‚Nein, danke , alles OK.‘ Und ich began mich gut zu fühlen.“ Im Februar konnte er dann endlich mit dem Wiederaufbau seines Restaurants beginnen. Seine zehn Mitarbeiter konnte er bis dahin jedoch nicht halten. Sie mussten sich anderweitig umsehen.

200.000 Dollar hatte er für die gesamte Renovierung veranschlagt, inklusive einer neuen Küche und eines neuen Kellers. Doch die Auflagen der Stadt machten ihm auch hier einen Strich durch die Rechnung: Alles musste erneuert werden: neue Böden, neue Wände und eine neue Decke. Doch wenn schon dieser Aufwand, dann bitte mit Stil. In der Türkei wurde er fündig. Auf dem Rückweg in die USA hatte er 50 antike osmanischen Leuchten im Gepäck, dazu Stoff für die Stühle und Bänke und Kunsthandwerk für die Wände. Innen wie außen, so das Ziel, sollte alles einen Hauch von Istanbul versprühen. Man sollte sich fühlen wie in der Türkei. Das Ergebnis sei heute jedenfalls besser als zuvor.

300.000 Dollar Investitionsvolumen

Etwa vier Monate Arbeit stecken in den neuen Räumlichkeiten. Investiert wurden am Ende mehr als 300.000 Dollar. Befreundete Handwerker halfen ihm jedoch, den Berg zu stemmen und gewährten ihm Zahlungsaufschub. Anfang Juni dieses Jahres konnte das Restaurant schließlich wieder eröffnet werden. Mehr als 100 langjährige Kunden kamen vorbei, selbst Vertreter des türkischen Konsulats. Heute könnte es für Atas nicht besser laufen. „Manche Gäste kommen drei oder vier Mal pro Woche. Sie kommen, um zu essen, aber sie versuchen auch, uns zu helfen.“

Atas ist sich jedoch bewusst. Eine Katastrophe wie Sandy kann die Ostküste jederzeit wieder heimsuchen. Noch immer hat er keine Hochwasserversicherung. Sein langjähriger Versicherer hat sie aus dem Programm gestrichen. Das Nationale Flutversicherungsprogramm wurde ihm offenbar noch nicht angeraten.

Schon vor dem Eintreffen von Sandy wurde in mehreren US-Bundesstaaten der Notstand ausgerufen. Allein in New York City ordnete Bürgermeister Michael Bloomberg die Evakuierung von 375.000 Bewohnern niedrig gelegener Gebiete in Manhattan und Brooklyn an. Auch die Bewohner der gefährdeten Küstenabschnitte von Long Island mussten ihre Häuser verlassen. Der Hafen wurde geschlossen, der öffentliche Nahverkehr sowie zahlreiche Zugverbindungen in die Region eingestellt. Ebenfalls dichtgemacht wurden die  New Yorker Flughäfen. Am 29. Oktober 2012 traf schließlich das extreme Windfeld Sandys auf die Ostküste der Vereinigten Staaten.

Noch um den 5. November waren in New Jersey 900.000 Häuser ohne Strom, im gesamten Bundesstaat New York waren es 700.000. Auch Treibstoff war weiterhin sehr knapp. Der Wirbelsturm zeigte deutlich, wie marode die US-Infrastruktur in weiten Teilen war und immer noch ist.

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