Erdoğan mischt sich wieder ein: Männliche und weibliche Studenten sollten nicht gemeinsam leben

Auch was das Zusammenleben seiner Bürger angeht, kennt der türkische Premier Recep Tayyip Erdoğan offenbar keine Privatsphäre. Nach Einmischungen in die Familienplanung und das Konsumverhalten, hat er jetzt die Studentinnen und Studenten im Visier. Diese könnten keinesfalls unter einem Dach zusammenleben.

Der türkische Premier Recep Tayyip Erdoğan hat das Wohnen von weiblichen und männlichen Studenten unter einem Dach verurteilt. Der Politiker kündigte an, Maßnahmen dagegen ergreifen zu wollen. Der Premier meint damit insbesondere die staatlichen Wohnheime. Die privaten Wohnheime seien ausgenommen. Doch Einmischungen dieser Art sind nicht neu. Immer stärker wird versucht, die Bürger in ein konservatives Korsett zu zwängen.

„Das ist gegen unseren konservativen, demokratischen Charakter“, zitiert die türkische Hürriyet Premier Erdoğan während einer Klausurtagung der AKP in Kızılcahamam am 3. November.

Insgesamt gebe es in der Türkei einen Mangel an Studentenwohnheimen. Man habe das besonders in der Provinz Denizli beobachten können. Deshalb würden auch männliche und weibliche Studenten im gleichen Haus wohnen. Das sei vorher nicht geprüft worden. Mittlerweile sei der Gouverneur von Denizli hinzugezogen worden. Er solle die Angelegenheit nun prüfen. Die staatlichen Wohnheime sollen aufgestockt werden.

Der Premier ist jedoch nicht der einzige konservative Geist. Im vergangenen August sorgte ein Direktor in Trabzon für öffentlichen Unmut. Er hatte sich darüber beschwert, dass männliche und weibliche Studenten die gleichen Treppen auf dem Weg in ihre Zimmer nutzen würden.

Einmischung in die Familienplanung

Etwa um die gleiche Zeit sorgte Erdoğan mit seiner Forderung nach einem Abtreibungsverbot in der Türkei für internationale Aufschreie (mehr hier). Nicht nur türkische Frauenrechtsgruppen rief der Premier damit auf den Plan. Selbst der Ausschuss für Gleichstellung und Nichtdiskriminierung des Europarats brachte seine Besorgnis über die Initiative der türkischen Regierung hinsichtlich eines Abtreibungsverbotes zum Ausdruck.

Letztlich gab die Regierung nach. Nachdem die AKP zunächst die Abtreibungsfrist von bisher zehn Wochen auf gerade einmal vier Wochen senken und damit ein de facto Verbot von Abtreibungen einführen wollte, ruderte man auf Grund der mittlerweile international geführten Debatte zurück. In einem neuen Gesetzesentwurf blieb die Frist bis zur zehnten Schwangerschaftswoche bestehen, türkische Frauen, die sich jedoch nach der zehnten Schwangerschaftswoche einer medizinisch unnötigen Abtreibung unterziehen, könnte künftig eine Gefängnisstrafe zwischen einem und drei Jahren drohen. Daneben wird nun eine zuvorige psychologische Beratung gefordert  (mehr hier).

Immer wieder versucht Erdoğan mitzumischen, wenn es um die Anzahl der Kinder in türkischen Familien geht. Ein ums andere Mal fordert er ein, dass Frauen mindestens drei Kinder haben sollten, sonst drohe der türkischen Wirtschaft der Bankrott (mehr hier). Zuletzt sprach er sogar von vier.

Kontrolle über Alkoholkonsum

Ein Wörtchen mitreden will die türkische Regierung mittlerweile auch, wenn es um das Thema Alkoholkonsum geht. Es wird nicht nur versucht, die Bürger durch massive Steuererhöhungen zu kontrollieren. Seit kurzem ist zudem eine strikte Alkoholgesetzgebung für den Verkauf und die Bewerbung von Alkoholprodukten in Kraft. Der türkische Premier Recep Tayyip Erdoğan sieht sich aufgrund des Anti-Alkohol-Gesetzes jedoch zu Unrecht kritisiert. Das sei kein Eingriff in die Lebensweise und Privatsphäre. Er argumentiert vielmehr mit der Gesundheit seiner Bürger (mehr hier).

Insgesamt ist  die Sprache der Politik in der Türkei sei sehr „maskulin und aggressiv“, stellte türkische Schriftstellerin Elif Şafak im Sommer fest. Warum sich gerade Themen, wie die aktuelle Anti-Alkohol-Gesetzgebung, die es in ähnlicher Weise auch in zahlreichen europäischen Staaten gibt, derart hochgeschaukelt haben, erklärt sie wie folgt: „Die Menschen haben kein Vertrauen. Sie sind argwöhnisch.“ Überall würden Verschwörungstheorien gewittert. Doch in erster Linie sei es eine konkrete Angst: „Sie sorgen sich, dass ihr Lebensstil verändert werden könnte.“

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