Wegen Kritik am Kopftuch-Missbrauch: Türkische Medien starten „Hexenjagd“ gegen Politikerin

Şafak Pavey heißt die neue „Zielscheibe“ der regierungsnahen Medien in der Türkei. Auslöser der Kritik an der Politikerin war eine Kopftuch-Rede im türkischen Parlament. Dort hatte sie den Missbrauch des Kopftuchs und der Frauen für politische Zwecke verurteilt. Doch Pavey gilt nicht als Kopftuch-Gegnerin. Sie fordert nur gleiche Rechte für alle gesellschaftlichen Gruppen.

Die Kopftuch-Rede der CHP-Abgeordneten Şafak Pavey hat in den regierungsnahen Medien einen Sturm der Entrüstung ausgelöst.

Die Kritik an Pavey ist begleitet von Beleidigungen und Unterstellungen. Die Journalistin der Zeitung Yeni Şafak, Ayşe Böhürler, geht hart ins Gericht mit Pavey. So verspüre Pavey eine tiefe Abneigung gegen ihr eigenes Volk, so Böhürler. Sie betrachte ihr eigenes Land mit der Brille der „westlichen Orientalisten“, zitiert gazeteciler.com Böhürler.

Die Sabah-Journalistin Sevilay Yükselir bezeichnete Paveys Rede in einem Artikel als „hässliche Provokation“. Pavey hätte in ihrer Rede Tatsachen bewusst verdreht. Doch Yükselir geht weiter. Sie kritisiert die Zeitung Milliyet für eine angebliche Parteinahme für Pavey.

Anschließend spricht Yükselir eine Drohung aus. Sie verfüge über eine Reihe von belastenden Dokumenten und Fotos, die in Verbindung mit Pavey stünden. Die werde sie veröffentlichen. Doch es kam anders. Zwei Tage später entschuldigte sich Yükselir bei Pavey.

Ahmet Kekeç von der Stargazete schreibt in einem Artikel, dass die CHP-Abgeordnete Pavey darauf aus sei, Andersdenkende zu erniedrigen und sie zurechtzustutzen.

Der Yeni Akit-Journalist Abdurrahman Dilipak fragt in einem Artikel:

„(…) Ich weiß nicht, wie lange wir uns noch mit diesen Kemalisten, mit diesen `Weißen Türken´ beschäftigen müssen (…) Ich hoffe, dass meine Kopftuch tragenden Geschwister im Parlament an ihrem göttlichen Ehrenwort [Kopftuch-Tragen] festhalten und sich nicht besudeln werden.“

Die CHP-Abgeordnete Şafak Pavey hatte in einer Rede vor dem türkischen Parlament den Missbrauch des Kopftuchs als politisches Symbol kritisiert. Sie forderte von den neuen Kopftuch tragenden Parlamentarierinnen, sich mehr für die Rechte der Frauen in der islamischen Welt einzusetzen.

Zudem forderte sie die Volksvertreterinnen auf, sich auch für die Religionsfreiheit anderer Gruppen in der Türkei einzusetzen. Das Kopftuch sei für sie ein „zweischneidiges Schwert“ (mehr hier). Zum einen sei es ein Symbol der Religionsfreiheit. Doch zum anderen sei es auch ein Symbol für religiöse Unterdrückung.

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