Verlassen und gestorben: Bürger von Gölcük beerdigen totes Baby

Die Geschichte lässt das Blut in den Adern gefrieren. Neun Tage lang hat eine Mutter ihr zwei Monate altes Baby allein in einer Wohnung zurückgelassen. Das Kind starb. Doch die Familie interessiert das offenbar wenig. Jetzt sprangen die Bürger von Gölcuk ein. Sie erwiesen dem kleinen Leichnam die letzte Ehre erweisen trugen ihn zu Grabe.

Im türkischen Ort Gölcük hat eine Mutter ihr zwei Monate altes Baby allein gelassen. Nach neun Tagen in der verlassenen Wohnung verhungerte und verdurste das hilflose Kind. Die Bürger des Ortes wollten das Baby jedoch nicht allein gehen lassen und gaben ihm nun ein letztes Geleit. Es wurde auf dem Friedhof für Erdbebenopfer bestattet. Niemand aus der Familie hatte sich dafür interessiert.

Seine letzte Ruhe fand das Baby begleitet von Hunderten Bürgern aus Gölcuk in der nordwestlichen Provinz Kocaeli. Der Gebetszeremonie vor der Beerdigung wohnte auch Bezirksleiter Adem Yazıcı bei. Das berichtet die türkische Zeitung Hürriyet.

Der kleine Junge starb, nachdem ihn seine 34-jährige Mutter, die an einer Grundschule als Lehrerin arbeiten soll, allein zu Hause ließ. Währenddessen soll sie in die südliche Provinz Hatay zu ihrer Familie gereist sein, um dort ihren neuntägigen Opferfest-Urlaub zu verbringen.

Die vergangenen zwei Wochen wurde der Leichnam nun in der Leichenhalle eines Krankenhauses aufbewahrt. Die Mutter wurde inzwischen festgenommen und sitzt in Untersuchungshaft. Doch auch die Großeltern des Jungens scheinen kein Interesse zu haben. Obschon sie sich bei der Staatsanwaltschaft gemeldet hatten, wollten sie sich des Leichnams ihres Enkelsohnes nicht annehmen. Ein Polizist, von dem angenommen wird, dass er der Vater des Kindes ist, meldete sich ebenfalls bei der Polizei. Er bestritt jedoch, von dem Baby gewusst zu haben.

An diesem Dienstagmorgen verstrich nun die gesetzliche Beerdigungsfrist. Das Baby wurde jetzt auf dem Friedhof für Erdbebenopfer bestattet, da es keine letzte Ruhestätte für Namenlose in der Gegend gibt.

Gölcük war im Epizentrum des Marmara-Bebens vom 17. August 1999. Das Beben tötete mehr als 17.000 Menschen in der ganzen Region.

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