Judenfeindliche Straftaten stiegen 2012 um 70 Prozent

Die antisemitischen Gewalttaten und Gesamtstraftaten sind 2012 im Vergleich zu 2011 angestiegen. Bei den reinen Gewalttaten ist sogar ein Anstieg in Höhe von 70 Prozent registriert worden. Doch besorgniserregend ist nicht nur der Antisemitismus innerhalb extremistischer Gruppen. Auch der gewaltlose Antisemitismus aus der Mitte der Gesellschaft stellt ein Problem dar.

Im vergangenen Jahr wurden in Deutschland insgesamt 27 antisemitische Gewalttaten registriert. Im Vorjahr lag die Anzahl bei 16 Gewalttaten. Somit gab es eine Steigerung von 70 Prozent.

Doch die Anzahl der antisemitischen Gesamtvorfälle war sowohl 2011 als auch 2012 weitaus höher. So wurden 2012 865 antisemitische Straftaten registriert. Im Vorjahr lag die Anzahl bei 811 Straftaten. Die Kennzahlen gehen aus Dokumenten der Fraktion DIE LINKE im Deutschen Bundestag hervor, die den DTN vorliegen. Die Linkspartei erfragte die Angaben beim Bundesministerium des Innern.

Angesichts des anstehenden 75. Jahrestags der Novemberpogrome ist es wichtig, ein Zeichen gegen rechtsextremistisch- oder islamistisch motivierten Antisemitismus zu setzen.

Die Vorsitzende der Amadeu Antonio Stiftung, Anetta Kahane, fordert in einer Mitteilung:

„(…) Es ist sehr notwendig sich zu erinnern was geschehen ist. Aber dabei dürfen wir es nicht belassen. An solchen Gedenktagen ist auch ein Blick in die Gegenwart wichtig. Wir erleben derzeit einen starken Anstieg beim Antisemitismus und niemanden scheint das richtig zu stören“.

Doch Antisemitismus ist offenbar nicht nur eine Erscheinung in extremistischen Milieus. Zunehmend werden antisemitische Ressentiments auch in der Mitte der Gesellschaft beobachtet.

Kahane sagt:

„Antisemitismus wird wieder salonfähig. Daher muss klar gesagt werden: Wer sich antisemitisch äußert, der nimmt zumindest billigend in Kauf, dass Menschen sich legitimiert fühlen Juden körperlich anzugreifen.“

Auch in der Online-Welt befinden sich zahlreiche Personen, die antisemitisches und extremistisches Gedankengut verbreiten (mehr hier).

Deshalb veranstaltet die Amadeu Antonio Stiftung zum 11. Mal die bundesweiten „Aktionswochen gegen Antisemitismus“. Beteiligt sind „170 Organisationen, Schulen, Jugendzentren und jüdische Gemeinden aus 90 Städten in allen Bundesländern mit 380 Veranstaltungen“, heißt es in der Mitteilung.

Die Aktionswochen werden durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert.

Weitere Informationen finden sie – hier.

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