Türkisch-niederländische Journalistin muss lebenslang hinter Gitter

In einem Extremisten-Verfahren hat ein türkisches Gericht sechs Journalisten zu verschiedenen Haftstrafen verurteilt. Unter ihnen befindet sich auf die türkischstämmige Niederländerin Füsun Erdoğan. Sie muss lebenslang hinter Gitter.

Die 10. Große Strafkammer von Istanbul hat die türkisch-niederländische Journalistin Füsun Erdoğan zu einer lebenslangen Haft verurteilt. Sie soll ein führendes Mitglied der linksextremen Untergrundgruppe Marxistisch-Leninistische Kommunistische Partei (MLKP) sein.

Doch ihre Anwältin und Schwester Zülfü Erdoğan sagt, dass der Richterspruch sich nicht mit der Beweisführung der Anklage decke. Es lägen keine belastenden Fakten vor, die dieses Urteil rechtfertigen, zitiert Timeturk die Anwältin.

Neben der Journalistin Erdoğan wurden im selben Verfahren noch weitere 24 Personen zu verschiedenen Haftstrafen verurteilt, berichtet bianet. Davon sind fünf Personen ebenfalls Journalisten.

Nach der Urteilsverkündung sollen die Verurteilten nach Angaben von bianet gerufen haben: „Nieder mit dem Faschismus! Es lebe unser Kampf!“

In der Türkei sind aktuell 28 Journalisten inhaftiert. Sie stammen aus den Medienhäusern und Zeitungen von Özgür Gündem, Günlük Evrensel, Cumhuriyet, Odatv.com, Biz TV, Atılım, Özgür Radyo, Azadiya Welat, Ulusal Kanal und Demokratik Modernite, berichtet Reporter ohne Grenzen. Sie wurden zwischen 2006 und 2011 festgenommen und kommen aus verschiedenen politischen Lagern.

Nur in China und Syrien befinden sich weltweit mehr Journalisten im Gefängnis als in der Türkei. Doch mit den jüngsten Urteilsprüchen würde die Anzahl der inhaftierten Journalisten in der Türkei auf 34 ansteigen.

Damit ist die Türkei neuer weltweiter „Spitzenreiter“ in der Platzierung der Länder mit den meisten inhaftierten Journalisten.

Doch die Urteils-Dokumente werden noch dem 9. Strafsenat des Kassationshofes vorgelegt. Das ist die letzte Prüfungsinstanz für Entscheidungen und Urteile der Gerichte der ordentlichen Gerichtsbarkeit.

Die Wirksamkeit der Urteile hängt von der Entscheidung des Strafsenats des Kassationshofes ab.

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