USA: Türkisch-amerikanische Professorin lehrt mit Kopftuch an Elite-Uni

Merve Kavakçı ist eine ehemalige Abgeordnete des türkischen Parlaments. Sie war die erste Politikerin, die im Jahr 1999 das Parlament mit einem Kopftuch betrat. Prompt wurde sie aus dem Saal geworfen. Die Harvard-Absolventin lehrt seit Jahren an Amerikas Elite-Universitäten. Doch dort darf sie das Kopftuch anbehalten.

Merve Kavakçı ist eine türkisch-amerikanische Lehrkraft an der George Washington University und der Howard University. Zudem berät sie das US Repräsentantenhaus in Bezug auf die islamische Welt. Kavakçı hat noch eine weitere Besonderheit. Sie trägt das islamische Kopftuch. In den USA hat ihr das bisher keinerlei Nachteile eingebracht.

Doch in der Türkei hatte sie in der Vergangenheit aufgrund ihres Kopftuchs mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen. Im Jahr 1999 zog sie für die islamisch-konservative Tugendpartei in das türkische Parlament ein.

Ihre parlamentarische Vereidigung löste eine Protest-Welle unter den Abgeordneten der anderen Parteien aus. Prompt wurde sie aus dem Saal geworfen. Der ehemalige Premierminister Bülent Ecevit sagte, dass sich niemand in das Privatleben und die Bekleidung von Damen einmischen dürfe.

Doch das türkische Parlament sei kein Bereich des Privatlebens. Es sei nicht der Ort, um gegen den Staat aufzubegehren. „Bitte zeigen sie der Frau, wo es lang geht“, so Ecevit.

Kavakçı äußert sich auch zur aktuellen Kopftuch-Debatte in der Türkei. Sie unterstützt die vier AKP-Parlamentarierinnen, die sich zum Tragen des Kopftuchs entschieden haben, berichtet die Zeitung Cumhuriyet. Das sei ein großer und positiver Schritt. Doch das Kopftuch-Verbot muss auch innerhalb der Judikative, der türkischen Streitkräfte und der Polizei aufgehoben werden.

Bei den anstehenden Kommunalwahlen im März wird die AKP weitere Kopftuch tragende Kandidatinnen aufstellen (mehr hier). Die Aufhebung des Kopftuchverbots in öffentlichen Institutionen ist Teil des von Premier Erdoğan angekündigten „Demokratiepakets“ (mehr hier).

Die AKP-Regierung sieht die Lockerung des Kopftuchverbots als einen Teil der Normalisierung der politischen Landschaft in der Türkei. Denn in den Reihen der AKP sitzen sowohl Volksvertreterinnen mit als auch ohne Kopftuch.

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