EU: Türkei muss Frauenanteil in der Politik erhöhen

EU-Erweiterungskommissar Štefan Füle rät der Türkei nachhaltige Bemühungen zu unternehmen, um den Anteil der Frauen in der Landespolitik zu erhöhen. Die Beteiligungen der Damen liegt nach wie vor hinter dem EU-Durchschnitt. Beim Thema Bildung sei jedoch schon einiges erreicht worden.

EU-Erweiterungskommissar Štefan Füle brach während der „Progress in Women’s Human Rights in the Third Year of the İstanbul Convention” eine Lanze für mehr Partizipation und Repräsentation der Damen in der türkischen Politik gebrochen. Während der Veranstaltung, die von Mittwoch bis diesen Freitag in der Bosporusmetropole stattfindet, ging es auch um das Thema Bildung. Hier sei das Land bereits auf einem guten Weg.

„Die Türkei hinkt in Bezug auf die Vertretung von Frauen in politischen Entscheidungsprozessen auf nationaler, lokaler und kommunaler Ebene hinterher”, zitiert die türkische Zeitung Zaman den EU-Erweiterungskommissar. Im Blick hatte Füle dabei sowohl den EU-Durchschnitt als auch internationale Standards. Im Zuge der Wahlen im Jahr 2011 sei zwar die Vertretung der Frauen im türkischen Parlament von neun auf 14 Prozent gestiegen. Doch das entspräche immer noch nur der Hälfte des EU-Durchschnitts. Darüber hinaus hätten nur ein Prozent der türkischen Gemeinden einen weiblichen Bürgermeister.

Wahlen 2014: EU-Kommission sieht genau hin

Bisher habe die Türkei nur mäßig Anstrengungen unternommen, diesen Zustand zu ändern. Füle kündigte deshalb an, dass die EU-Kommission während der anstehenden Wahlen im Jahr 2014 die Bemühungen der Türkei, die Frauenrate zu erhöhen, noch intensiver im Auge behalten werde.

Gute Fortschritte habe die Türkei auch beim Thema Bildung von Mädchen und jungen Frauen gemacht. Der Zugang zur Bildung sei verbessert worden, ebenso wie die Einschulungsrate für Mädchen. Letztere steige bereits seit 2010. Auch würden weniger Mädchen zu früh die Schule verlassen. Ebenso konnte die Kluft zwischen den Geschlechtern in der Grundschule in den vergangenen Jahren reduziert werden. Erreicht worden sei das nicht zuletzt aufgrund der Regierungskampagne des Jahres 2003 „Lasst  uns in die Schule gehen”. Und dennoch: Werfe man einen Blick in den Südosten des Landes, bestehe immer noch eine beträchtliche Kluft, was den Zugang zur Bildung für Mädchen betreffe.

Weiterbildung der Mädchen muss forciert werden

Laut Füle sei die Rate der der Schüler, die vorzeitig abbrechen, in der Türkei viermal höher als in der EU. Ein Report aus dem Jahr 2011 gab die Zahl der Schulabbrecher mit 2000 pro Tag an (mehr hier). Außerdem seien die niedrigen Teilnahmequoten im sekundären und tertiären Bildungsbereich ein wesentliches Hindernis für türkische Frauen ein gewisses Bildungsniveau zu erreichen.

Unter den Sprecherinnen der Konferenz befand sich auch die türkische Familienministerin Fatma Şahin. Sie fordert schon seit längerem flexiblere Arbeitszeiten, um wieder mehr Frauen in den Beruf zu bekommen (mehr hier). In dem Bemühen, die bestehende soziale Haltung gegenüber Frauen zu verändern und häusliche Gewalt zu verhindern, habe ihr Ministerium bereits mit der Direktion für religiöse Angelegenheiten , dem Justizministerium und dem Ministerium für Gesundheit an verschiedenen Projekten zusammengearbeitet. Darüber hinaus führe das Ministerium für Familie und Sozialpolitik Untersuchungen durch, um etwa die Zahl der Kinderehen zu reduzieren (mehr hier).

Mehr zum Thema:

Bildung, Beruf, Ehe: Istanbul ist die frauenfreundlichste Stadt der Türkei
Weltfrauentag: Zahl der weiblichen Beschäftigten in der Türkei geht zurück
Top-Management: Mehr Frauen in der Türkei als in der EU

Kommentare

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.