Polio-Ausbruch in Syrien: UN muss jetzt mehr als 20 Millionen Kinder schützen

Die Vereinten Nationen haben die bisher größte Polio-Impfkampagne im Nahen Osten ins Leben gerufen. Das Ziel: Mehr als 20 Millionen Kinder in sieben Ländern sollen immunisiert werden. Hintergrund ist der Ausbruch der gefährlichen Kinderlähmung im kriegsgebeutelten Syrien. Auch in der Türkei wird es Impf-Aktionen geben.

Der Nachweis des Polio-Viruses in Syrien hat jetzt auch die Vereinten Nationen auf den Plan gerufen. Wie an diesem Freitag mitgeteilt wurde, soll jetzt die bisher größte Polio-Impfkampagne im Nahen Osten gestartet werden. Es gilt, über 20 Millionen Kinder vor der tückischen Krankheit zu schützen. Alarmiert wurde die UN durch das erneute Auftreten von Polio unter anderem in Syrien.

„Der Polio-Ausbruch in Syrien ist nicht nur eine Tragödie für die Kinder, es ist ein dringender Alarm und eine entscheidende Gelegenheit, alle unter-immunisierten Kinder zu erreichen , wo auch immer sie sind“, zitiert Channel News Asia Peter Crowley vom UN-Kinderhilfswerk.

Syrische Impfrate auf 68 Prozent gefallen

Erst in der vergangenen Woche bestägte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) den erneuten Polio-Ausbruch in Syrien. Das Land galt eigentlich seit 1999 befreit. Aufgrund der mangelhaften Impfversorgung während des Krieges beginnt sich die Krankheit nun wieder auszubreiten (mehr hier). Die hoch ansteckende Erkrankung betrifft vor allem Kinder unter fünf Jahren und kann binnen Stunden Lähmungen verursachen. Einige Fälle können sogar tödlich enden.

„In einer Region, in der es seit gut einer Dekade keine Kinderlähmung mehr gegeben hat, wurden in den vergangenen zwölf Monaten Polio-Viren in Abwasserproben aus Ägypten, Israel, dem Westjordanland und dem Gazastreifen nachgewiesen“, so WHO und UNICEF in einer gemeinsamen Erklärung. Bisher hätten zehn Kinder Lähmungen davongetragen. Hunderttausende Kinder in der Region seien bedroht. Gerade in Syrien sei die Impfrate von über 90 Prozent vor Ausbruch des Bürgerkriegs im März 2011 auf aktuell 68 Prozent gefallen.

Auch Impfungen in der Türkei

In den kommenden sechs Monaten sollen nun intensive Impfaktionen durchgeführt werden. Daneben stünde die Region unter genauer Beobachtung, um Fälle aufzuspüren, die bisher vielleicht unentdeckt geblieben seien. Schon jetzt hätten mehr als 650.000 Kinder in Syrien, darunter 116.000 in der umkämpften nordöstlichen Deir Ezzor Provinz, in der der Polio-Ausbruch vergangene Woche bestätigt wurde, Notimpfungen erhalten. Im Rahmen der Impf-Kampagne sollen insgesamt 1,6 Millionen Kinder in Syrien gegen Polio, Masern, Mumps und Röteln geimpft werden. In Jordanien sollen 3,5 Millionen Kinder immunisiert werden. Dort wurden in den vergangenen Tagen bereits rund 18.800 Kinder im Zaatari Flüchtlings-Camp geimpft. Auch im Westen des Iraks sei mit der Aktion bereits begonnen worden. Im Libanon ist der Start einer landesweiten Impf-Kampagne in dieser Woche geplant. In der Türkei und in Ägypten soll es Mitte des Monats los gehen.

Dank einer weltweiten Kampagne gegen Polio, ist das Virus derzeit in nur drei Ländern endemisch: Afghanistan, Pakistan und Nigeria. Vorläufige Ergebnisse hätten gezeigt, dass der aktuelle Poliovirus pakistanischer Herkunft und vergleichbar mit dem Stamm in Ägypten, Israel, dem Westjordanland und den Gaza-Streifen sei.

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