Wegen Wohnheim-Debatte: Türkischer Vizepremier weist Erdoğan in die Schranken

Der türkische Vizepremier Bülent Arınç ist unzufrieden mit Premier Erdoğan. Er wolle nicht mehr die Verantwortung für die Ausschweifungen Erdoğans übernehmen. Das sei ihm alles zu viel geworden. Doch offenbar liebäugelt Arınç damit, sowohl der neue AKP-Vorsitzender als auch der nächste Premierminister der Türkei zu werden.

Erstmals hat sich ein Mitglied der AKP-Regierung kritisch gegen Premierminister Erdoğan gerichtet. Der türkische Vizepremier Bülent Arınç hält nicht viel von Erdoğans durchgehenden kontroversen Aussagen.

So sei der Verlauf der aktuellen Wohnheim-Debatte unangebracht (mehr hier). Dabei steht Arınç inhaltlich auf der Seite von Erdoğan.

Doch die Drohung eine Geschlechtertrennung per Verordnung durchsetzen zu wollen, sei völlig Fehl am Platz. Es sei auch falsch, dass sich ein „ganz besonders eifriger“ Gouverneur der Sache angenommen habe und die Forderung sofort durchsetzen wolle.

In der Vergangenheit sei es immer wieder zu Meinungsverschiedenheiten zwischen ihm und Erdoğan gekommen. Es sei anstrengend für ihn, den Premierminister 24 Stunden am Tag verfolgen zu müssen, um anschließend Erdoğans Worte ins reine zu waschen.

„Auch er muss eine derartige Aufgabe wahrnehmen. Er kann einen Regierungssprecher nicht ständig ins Leere laufen lassen“, zitiert die Hürriyet Arınç.

Arınç sei glücklich darüber, dass sogar die Oppositions-Politiker seinem Wort großes Vertrauen schenken würden.

Die Hürriyet zitiert Arınç weiter:

„Meine Freunde in der Opposition haben das Recht, mich erbarmungslos zu kritisieren. Doch, wenn sie mir vorab sagen, dass sie mir vertrauen, dann empfinde ich das als eine symbolische Ehrenmedaille (…) Natürlich ist auch der Premierminister eine starke Persönlichkeit. Er ist ein guter Familienvater, ein frommer Mann und er hält sein Wort – soweit ich das betrachten kann (…) Der Job des Regierungssprechers ist eine sehr verantwortungsvolle Aufgabe. Deshalb müssen meine Worte sehr genau ausgewählt sein (…) Manchmal mache ich offizielle und abgestimmte Erklärungen, die 12 Stunden später vom Premier dementiert werden. Auch den Journalisten sind diese Widersprüche nicht entgangen. Einige missbrauchen diese Widersprüche, um uns beide zu attackieren. Doch andere wiederum haben absolut recht mit ihrer Kritik.“

Offenbar liebäugelt Arınç damit, sich als Führungs-Alternative innerhalb der AKP anzubieten. Die Zeitung Yeni Mesaj schreibt, dass es Arınç auf das Premierminister-Amt abgesehen hat. Das sei der Grund dafür, warum er in den vergangenen Monaten Erdoğan hinter den Kulissen zur Kandidatur für das Präsidentenamt motiviert habe.

Denn dann hat Arınç gute Chancen, sowohl AKP-Vorsitzender als auch Premierminister zu werden.

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