Konkurrenz für Comic-Superhelden: Jetzt mischt eine Muslima mit

Kamala Khan ist eine ganz normale amerikanische Schülerin. Wirklich? Nein, eigentlich nicht. Die junge Frau aus einem muslimisch-pakistanischen Elternhaus ist die neueste Comic-Figur aus dem US-amerikanischen Verlag Marvel Comics. Als Ms. Marvel ist sie schon in naher Zukunft in höherer Mission unterwegs: Sie ist die erste muslimische Comic-Superheldin.

Ab kommenden Februar ist die Riege der Superhelden um eine Figur reicher. Eine taffe, junge Frau tritt dann in direkte Konkurrenz zu Superman und Co. G. Willow Wilson hat die neue Ms. Marvel erschaffen, die einst von einer blonden, amerikanischen Heldin Carol Danvers verkörpert wurde. Doch anders als bei ihren „Kollegen“ war bei der Entstehung der ersten muslimischen Superheldin Kamala kein explodierender Planet, der Tod eines Angehörigen oder eine mysteriöse Spinne im Spiel.

Ihre „Geburtsstunde“ geht auf ein Gespräch von Sana Amanat und Steve Wacker, zwei Redakteure bei Marvel Comics, zurück. Amanat erzählte ihrem Kollegen einige Anekdoten aus ihrer Kindheit, wie sie als muslimisch-amerikanisches Mädchen aufgewachsen sei. Ihr Kollege habe das wiederum „urkomisch“ gefunden. Schnell war die Nische gefunden: Eine Reihe mit einer weiblichen Superheldin musste her. Und zwar eine mit einem besonderen kulturellen Hintergrund.

Herausforderung eigenes Elternhaus

Mit ihrer Idee gingen die beiden zu G. Willow Wilson. Die Autorin war als Journalistin in Ägypten tätig und selbst zum Islam konvertiert. „Captain Marvel repräsentiert ein Ideal, dem Kamala nacheifert“, so die Autorin. „Sie ist stark, schön und hat kein Problem damit Pakistani oder eben anders zu sein.“ Das Mädchen muss sich jedoch ganz realen Konflikten stellen, teils in ihrem eigenen zuhause. Ihr Bruder ist extrem konservativ, die Mutter geradezu paranoid, wenn es darum geht, dass Kamala einen Jungen anfassen oder gar schwanger werden könnte. Ihr Vater möchte, dass sie sich auf ihre Ausbildung konzentriert und später Ärztin wird.

Dass die 16-jährige Kamala Khan im seit 2009 zum Walt Disney Konzern gehörenden Superhelden-Universum auch ablehnende Reaktionen hervorrufen könnte, dessen ist sich die Schöpferin durchaus bewusst. Diese könnten „sowohl von Menschen, die Vorurteile gegen Muslime hegten als auch von Muslimen selbst“ kommen, zitiert die New York Times Amant. Auch Wilson rechnet damit. Sie wolle die in New Jersey verortete Heldin durchaus als eine Person zeigen, die mit ihrem Glauben ringe. Gleich auf dem ersten Titel ist Kamala als selbstbewusstes Mädchen zu sehen. In der einen Hand hält sie eine Hadith-Sammlung und ihre Uni-Bücher. Vor ihrem Herzen ballt sie ihre andere Hand jedoch zu einer Faust. Alles in allem gehe es bei Kamala „um die universelle Erfahrung aller amerikanischen Teenager, um das Gefühl der Isolation und des sich Findens.“ Diesmal allerdings durch die Linse eines muslimisch-amerikanischen Mädchens mit Superkräften.

Für den Verlag ist Kamala übrigens eine konsequente Reaktion auf den Markt, der schon lange nicht mehr nur aus weißen Vorstadtjungs bestehe. Marvel Comics werden von einer Zielgruppe gelesen, die so vielfältig wie die amerikanische Gesellschaft sei. Ob sich Kamala als besonders lukrativ erweist, wird sich allerdings noch zeigen müssen. Alles steht und fällt mit der Gunst der jungen Leser, die sich mit Kamala identifizieren wollen – oder eben nicht.

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