Schutz für anatolische Leoparden: Türkische Tierfreunde werden aktiv

Der Tod eines seltenen anatolischen Leoparden Anfang November hat türkische Tierschützer auf den Plan gerufen. Nach dem Vorfall in Diyarbakır gilt es, die Menschen in den Dörfern zu sensibilisieren. Bei Besuchen soll den Leuten erklärt werden, dass Leoparden besondere Tiere sind. Man muss sie schützen, anstatt sie für Monster zu halten.

In den vergangenen zehn Jahren starben in der Türkei zehn anatolische Leoparden. Nach Ansicht von türkischen Tierschützern ist das genug. Sie haben eine öffentliche Aufklärungskampagne in Schulen, Cafés und Einrichtungen gestartet. So wollen sie die Dorfbewohner überzeugen, dass die Raubkatzen geschützt und nicht erschossen werden müssen.

Der jüngste Fall eines getöteten anatolischen Leoparden hat die türkische Öffentlichkeit aufgerüttelt. Eigentlich galten die majestätischen Raubkatzen bereits seit 1974 als ausgestorben. Damals wurde ein Tier im Ankaraer Distrikt Beypazarı getötet. Doch viele Jahre später, 2005 und 2008 in Bitlis, 2010 in Siirt und schließlich vor vier Tagen im Distrikt Çınar wurden die Katzen erneut gesichtet. Alles deutet also darauf hin, dass die Tiere in Anatolien überlebt haben. Bis jetzt: Denn wenn nicht umgehend Maßnahmen ergriffen werden, würden bald noch mehr von ihnen von türkischen Schäfern getötet, so der Tierschützer Turan Çetin.

Lebensräume der Leoparden müssen erkundet werden

„Nach einem  Vorfall auf dem Gabar Berg im Jahr 2010 wurden die Projekte für Leoparden angezogen“, zitiert ihn die türkische Zeitung Hürriyet. Gemeinsam mit der Vereinigung für den Schutz der natürlichen Ressourcen und der biologischen Vielfalt startete seine Organisation darauf hin ein entsprechendes Projekt. Mit Unterstützung er Vereinten Nationen und der Hilfe der Nationalpark-Direktion versuchen man nun in erster Linie die Lebensräume von Leoparden zu bestimmen. Bereits nach vier Monaten erhielten sie Nachricht aus Diyarbakır. Unglücklicherweise endete dies mit dem Tod eines dieser seltenen Tiere. Für ihn ist deshalb klar: „Dieser Vorfall zeigte uns die Dringlichkeit des Projekts noch einmal von neuem auf.“

Çetin zufolge habe man von der Existenz von Leoparden in Bitlis, Siirt, Hakkari und Tunceli sowie Diyabakirer Çınar-Bezirk gehört. Letztere Gegend gehöre allerdings nicht zu den geeigneten Lebensräumen für eine Leoparden, wahrscheinlich sei das Tier aus Bitlis gekommen. Im Rahmen des Projekts seien bereits Gespräche mit den Bürgern in den Bergdörfern geführt worden. Gerade die Begegnungen mit den älteren Menschen dort sei jedoch sehr aufschlussreich gewesen. Trotz vieler Vorfälle in Bitlis und Siirt seien viele vor dem Unglück in Çınar noch keinem solchen Tier begegnet.

Angst vor Leoparden bestimmt das Bild

Von Seiten der türkischen Regierung gebe es bereits Signale, die Tiere zu schützen. Erst einmal müssten jedoch ihre Lebensräume genau bestimmt werden. Dazu gehörten dann auch Aufklärungskampagnen für Bürger und insbesondere die Schäfer in diesen Gebieten, zunächst mit Broschüren und Plakaten, so Çetin weiter.

Und das ist auch dringend notwendig: Dem Tierschützer zufolge, hätten die Menschen in diesen Regionen noch immer Angst vor den Leoparden. Wenn sie einem solchen Tier begegneten, würden sie sich automatisch verteidigen. „Wir werden diese Menschen über Leoparden und ihre Bedeutung informieren und sie bitten, mit uns zusammenzuarbeiten. Wir wollen mit diesem Projekt den  tödlichen Zwischenfällen ein Ende setzen.“ Profitieren werde man auch von einem ähnlichen Projekt in Şanlıurfa, das sich um den Schutz von Hyänen bemühe. Um Vorurteile gegenüber dem Leopard abzubauen, wollen die Tierschützer deshalb früh ansetzen und auch Schulen besuchen.

Türkischer Bauer muss Geldstrafe zahlen

Mittlerweile ist klar: Der tödliche Schuss auf einen seltenen anatolischen Leoparden in der türkischen Provinz Diyarbakır hat Folgen. Auf den Bauern kommt jetzt ein Bußgeld in Höhe von 157, 78 Euro zu. Ursprünglich war jedoch eine weitaus höhere Summe im Spiel. Strafmildernd wirkte sich offenbar aus, dass die Fachleute der Version des Täters Glauben schenkten und das Leben von ihm und seinem Begleiter tatsächlich in Gefahr war (mehr hier).

Besonder tragisch ist jedoch: Bei einer Autopsie kam zutage, dass das Tier vor seiner tödlichen Verletzung am 3. November schon einmal angeschossen wurde. Darauf deutete eine alte Wunde am Fuß hin (mehr hier).

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