Türkeikunde für Ausländer: Regierung will jetzt einen eigenen TV-Kanal

Der türkische Premier Recep Tayyip Erdoğan will den westlichen Medien mit einem eigenen TV-Sender zuvorkommen. Wiederholt hat er sich über eine vermeintlich falsche Berichterstattung im Ausland beschwert. Jetzt will die türkische Regierung offenbar ihre Geschichte selbst erzählen. Das Instrument: Ein eigener englischsprachiger Kanal.

Die türkische Regierung will ihr Bild im Ausland künftig selbst steuern. Wiederholt hatte sich der türkische Premier Recep Tayyip Erdoğan über die ausländische Berichterstattung beschwert. Mit einem englischsprachigen Sender soll nun versucht werden, das in seinen Augen falsche Bild gerade zu rücken.

Einem Sprecher des staatlichen TV-Senders TRT zufolge, sei das neue TV-Projekt das teuerste Vorhaben in der 50-jährigen Geschichte des staatlichen Fernsehens. Die Einrichtung des neuen Kanals solle rund 250 Millionen Dollar verschlingen. Im Zuge dessen sollen Büros in 30 Staaten eingesetzt werden, unter anderem in den USA und in europäischen, lateinamerikanischen und afrikanischen Ländern.

„Wr planen den Sendebetrieb 2014 aufzunehmen. Es reicht uns nicht, uns der Welt auf Türkisch zu erklären“, zitiert das Wall Street Journal Birol Uzunay. Geplant is eine Rund-um-die-Uhr-Übertragung von Nachrichten aus der Türkei.

Der staatliche TV-Sender TRT sendet derzeit auf Arabisch, Kurdisch , Azeri und anderen regionalen und Turksprachen. Die Idee, einen englischsprachigen Kanal zu etablieren, bestünde Uzunay zufolge jedoch bereits seit einigen Jahren.

Dass sich die türkische Regierung ausgerechnet jetzt dazu entschließt, einen solchen Kanal einzurichten, dürfte auf die Ereignisse des vergangenen Sommers zurück zu führen sein. Intensiv wurden die Gezi-Park-Proteste von den internationalen Medien beobachtet. Und nicht immer zur Freude der türkischen Regierung, die für ihr harsches Vorgehen gegen die Demonstranten viel Kritik einstecken musste. Dieser Umstand verursachte bei der AKP sicherlich einen gewissen Zugzwang.

Erdoğan unterstellte den ausländischen Medien während des Sommers immer wieder böse Absichten. Sein Gedanke: Sie würden ausländischen Verschwörern in die Hände spielen, während sich die hiesigen Medienschaffenden weitestgehend zurückhielten. Taten sie es nicht, hatte das direkte Konsequenzen (mehr hier).

Das Image der türkischen Regierung soll übrigens nicht nur per TV wieder aufgebügelt werden. In Anbetracht der anstehenden Kommunalwahlen rücken nun auch die Sozialen Medien verstärkt in den Fokus. Insgesamt 6000 Personen sollen sich nun im „Koordinations-Zentrum für Soziale Medien“ der AKP für Wahlwerbung in den Digitalen Medien einsetzen (mehr hier).

Um die Pressefreiheit in der Türkei steht es seit Jahren schlecht. Und die Situation verschlimmert sich. So bezeichnet etwa Reporter ohne Grenzen (ROG) die Türkei als das weltgrößte Gefängnis für Journalisten. Im World Press Freedom Index nimmt das Land eine weit abgeschlagene Position ein und schafft es gerade einmal auf Platz 154 von insgesamt 179 Staaten.

Wie sehr Erdoğan Verschwörungstheorien anhängt, zeigte sich übrigens erst in der vergangenen Woche bei einem offiziellen Besuch in Finnland. Dort wurde er von einem finnischen Reporter auf die jüngsten Razzien in Studentenwohnheimen angesprochen. Für den türkischen Premier war klar, das „hat jemand in Auftrag gegeben“.

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