Wegen Folter im Gefängnis: Türkische Vollzugsbeamte erhalten lebenslange Haftstrafe

Das türkische Berufungsgericht hat die Entscheidung einer lokalen Instanz bestätigt und drei Gefängniswärter zu lebenslangen Haftstrafen verurteilt. Dem Trio wurde die Folter des Häftlings Engin Çeber bzw. das Ignorieren des Vorfalls vorgeworfen. Der Mann starb 2008 an den Folgen.

Das türkische Berufungsgericht hat jetzt eine Entscheidung des Istanbuler Strafgerichts bestätigt. Zwei Polizisten waren der Folter und vorsätzlichen Körperverletzung schuldig befunden worden. Einem Mann aus der Gefängnisleitung war vorgeworfen worden, nicht reagiert zu haben. Alle drei müssen nun lebenslang in Haft.

Die beiden Gefängniswärter Selahattin Apaydın und Sami Ergazi wurden noch einmal wegen der Folter von Engin Çeber schuldig gesprochen. Ebenfalls bestraft wurde die Nummer zwei in der Gefängnishierarchie, Fuat Karaosmanoğlu, der nicht entsprechend handelte. Alle drei waren im Jahr 2008 im Dienst, als der Insasse an den Folgen der Folter und Misshandlung verstarb. Das berichtet die Online-Zeitung T24.

Im September 2008 wurden vier politische Aktivisten  bei einer Pressekonferenz von der Polizei festgenommen. Anschließend wurden die Mitarbeiter der linken Zeitung „Yürüyüs“ von der Polizei massiv gefoltert. Engin Çeber verstarb im Oktober an den Folgen der Folter. Sowohl die Polizisten, als auch die Gefolterten wurden zu Haftstrafen verurteilt. Leztere wurden wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt und Beamtenbeleidigung verurteilt (mehr hier).

Das Istanbuler Strafgericht verhängte im vergangenen August Geld- und Haftstrafen von einem Jahr, neun Monaten und sieben Tagen für die Aktivisten. Die Polizeibeamten erhielten in dieser Instanz zunächst  sieben Jahre und sechs Monate bzw. fünf Monate Haft.

Nach ihrer Festnahme wurden die Aktivisten auf die Polizeiwache Istinye in Istanbul gebracht. Dort wurden sie geschlagen und gefoltert. Gegenüber ihrem Anwalt berichteten sie davon, dass sie ins Wasser getaucht wurden und von Schlägen mit Stöcken, auch in den Genitalbereich, so Amnesty International in einer Mitteilung.

Auch während der jüngsten Studenten-Proteste in Ankara hatte sich Amnesty International eingeschaltet und ein Ende der massiven Polizeigewalt gegen die Demonstranten gefordert. In einer Mitteilung schreibt die Organisation, dass die Polizei auch friedliche Demonstranten attackiert habe. Zudem seien Plastik-Geschosse eingesetzt worden. Eine Person habe Handverletzungen erlitten (mehr hier).

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