Die Aziz Nesin Grundschule: Zweisprachiges Lernen in Berlin zeigt Erfolg

Bilinguale Schulen in Deutschland sind keine Seltenheit mehr. So auch die Aziz Nesin Grundschule in Berlin. In der deutsch-türkischen Schule ist neben Deutsch und Englisch auch Türkisch ein Bestandteil der Lehrsprache.

Die Aziz Nesin Grundschule in Berlin ist eine staatliche anerkannte Europaschule. Sie setzt auf eine interkulturelle Ausrichtung. Zweisprachigkeit ist für das Lehrpersonal keine Überforderung, sondern Konzept. Die Schule wird von über 380 Kindern besucht, berichtet die Berliner Morgenpost. Das Lehrpersonal besteht sowohl aus Deutsch-Türken als auch aus Deutschen.

Zum Konzept schreibt die Schule auf ihrer Internetseite:

„Die Motivation, eine fremde Sprache im Unterricht zu lernen, ist immer dann am größten, wenn ihr Gebrauchswert erkannt wird, es konkrete Notwendigkeiten gibt, Dinge richtig zu benennen und Prozesse richtig beschreiben zu müssen.“

Die Hälfte des Unterrichts wird in Türkisch und die andere Hälfte in Deutsch gelehrt. Englisch ist eine weitere integrierte Sprache. Doch die Eltern der Kinder sind nicht nur rein türkischstämmig. Viele Kinder kommen aus deutsch-türkischen Elternhäusern, sagte eine Sprecherin der Schule den DTN.

Wer war Aziz Nesin?

Der Name der Schule stammt vom türkischen Schriftsteller Aziz Nesin. Nesin wurde 1915 in Istanbul geboren und absolvierte bis 1944 eine militärische Karriere. Anschließend begann er mit der Schriftstellerei und dem Journalismus. Er gab 1945 zusammen mit dem Deutsch-Lehrer Sabahattin Ali die Satire-Zeitschrift Markopaşa heraus, die wenig später verboten wurde.

Aziz Nesin verfasste im Laufe seines Lebens über 100 Bücher. Anfang der neunziger Jahre übersetzte er einige Auszüge aus dem Werk „Die satanischen Verse“ von Salman Rushdie ins Türkische. Damit geriet er ins Visier von islamistischen Extremisten.

Nesin gründete auch die Nesin-Stiftung für Kinder, welches zur Finanzierung eines Kinderdorfs dient. Aktuell leitet der Sohn des Schriftsteller, Ali Nesin, die Stiftung.

Im Jahr 1995 starb er im Alter von 79 Jahren und liegt im Garten seines Kinderdorfs begraben. Er ließ vor seinem Ableben bestimmen, dass er keine religiöse Trauerfeier wolle. Nesin war bekennender Atheist.

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