Nächster Tabubruch im türkischen Parlament: Leyla Zana erscheint in Hosen

Weiblichen Abgeordneten ist es ab sofort gestattet, das türkische Parlament in Hosen zu betreten. Der Entschluss folgte nur wenige Tage nach der Abschaffung des Kopftuchverbots. Noch während der jüngsten Abstimmung machte die unabhängige pro-kurdische Abgeordnete von Diyarbakır, Leyla Zana, Nägel mit Köpfen und erschien bereits im verbotenen Beinkleid.

Nach dem Kopftuchverbot ist im türkischen Parlament nun auch der Röckezwang für weibliche Abgeordnete gefallen. Angestoßen wurde die Debatte durch die Abgeordnete der türkischen Sozialdemokraten, Şafak Pavey. Diese war gezwungen, trotz einer Beinprothese Röcke zu tragen. Am Mittwoch wurde nun ein Vorschlag zur Abstimmung eingereicht, diese interne Vorschrift abzuändern. Die Abgeordnete Leyla Zana setzte das Ansinnen dann auch gleich in die Tat um.

Leyla Zana erschien in Orange farbenem Blazer und schwarzen Hosen zur Abstimmung.  Ihr gleich tat es die Abgeordnete Sabahat Tuncel. Zana sorgte bereits in der Vergangenheit für Gesprächsstoff. Viele Jahre hat sie in einem türkischen Gefängnis verbracht, weil sie als Abgeordnete ihren Amtseid in kurdischer Sprache ergänzte. Im Mai 2012 wurde sie erneut zu zehn Jahren Haft verurteilt. Ihr wird vorgeworfen, Mitglied in einer terroristischen Vereinigung zu sein und in zahlreichen ihrer Reden – die allerdings bereits über vier Jahre zurückliegen – Propaganda für die PKK verbreitet zu haben (mehr hier). Auch die BDP-Abgeordnete wurde im September 2012 von einem Istanbuler Gericht zu acht Jahren und neun Monaten Gefängnis verurteilt worden. Der Politikerin wird ebenso vorgeworfen, Mitglied der Terrororganisation zu PKK zu sein (mehr hier).

Der geänderte Artikel 56 der internen Parlamentsvorschriften besagt nun, dass „Frauen Jacken und Röcke oder Jacken und Hosen tragen sollen“. Das berichtet die türkische Zeitung Hürriyet. Vormals hieß es lediglich, dass Frauen „Tailleur“, also ein Kostüm zu tragen hätten. Diese Formulierung verbot den Damen indirekt das Tragen von Hosen.

Für Unmut sorgte dieser Passus unter den weiblichen Abgeordneten schon lange. Nachdem am 31. Oktober einige AKP-Abgeordnete mit Kopftuch im Parlament erschienen, kam das Thema erneut auf die Agenda. Vizepremier Bülent Arinc sagte eine Änderung der Kleiderordnung zu, so dass weibliche Abgeordnete künftig auch Hosen tragen dürften. Kurz darauf wurde der Gesetzesvorschlag der AKP nach einer Diskussion von der Verfassungskommission angenommen.

Schon 2011 sollte das Hosenverbot für Frauen im Parlament aufgehoben werden. Die AKP, BDP und die MHP unterstützten diese Forderung seitens der weiblichen Abgeordneten. Doch die CHP soll diesen Vorstoß verhindert haben, berichtet die Zeitung Stargazete. Für die Abgeordnete mit Handicap gab es eine Ausnahmeregelung.

In ihrer von den türkischen Medien heftig kritisierten Rede verwies Pavey auf den Umstand, dass Frauen nun zwar mit Kopftuch, nicht aber in Hosen erscheinen dürften.

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