Bau der ersten Moschee in Athen: Konsortium erhält den Zuschlag

Lange Zeit waren die Planungen rund um die erste staatlich finanzierte Moschee in Athen festgefahren. Am Donnerstag kam nun wieder Bewegung in das Vorhaben. Ein griechisches Konsortium bestehend aus drei Unternehmen soll den Zuschlag für den Bau der Anlage erhalten haben.

Seit der Unabhängigkeit von den Osmanen im Jahr 1832 verfügt Athen über keine eigene Moschee mehr. Für diesen Umstand wurde die griechische Metropole sogar von Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International kritisiert. Denn: Bislang ist Athen die einzige europäische Hauptstadt ohne Moschee. Jetzt scheint zumindest klar, wer die Anlage eigentlich baut.

Nach einer Änderung der Ausschreibungsbedinungen im Frühjahr haben nun J&P Avax, Terna, Aktor und Intrakat den Zuschlag für den Moscheebau erhalten. Die Kosten für das Projekt belaufen sich nach bisherigen Schätzungen auf 946.000 Euro. Das berichtet die türkische Hürriyet. Realisiert werden soll der Bau in nur sechs Monaten, heißt es aus dem Infrastruktur-Ministerium. Errichtet wird die Moschee, die etwa 600 Quadratmeter sein und kein Minarett haben wird, auf einem stillgelegten Marinestützpunkt in Votanikos.

Die jetzige Ausschreibung wurde im Mai gestartet. Zuvor waren drei Ausschreibungen für den Bau der Moschee fehlgeschlagen. Nun bot die Regierung den Bau auch größeren Unternehmen an und hoffte auf eine schnelle Realisierung. Denn schon vorher gab es einige Anläufe, unter anderem zu den Olympischen Spielen 2004.

Golden Dawn Partei macht gegen Moscheebau mobil

Auf Gegenliebe stieß die Entscheidung der Regierung, mitten in der schlimmsten Finanzkrise Europas und vor allem des Landes, eine Moschee zu bauen, jedoch nicht bei allen. Mehr als eine Million Kosten schien den Kritikern in solchen Zeiten absolut unangebracht. Insbesondere die rechtsextreme Golden Dawn Partei hatte sich gegen eine Moschee in der griechischen Hauptstadt ausgesprochen und mit der Mobilisierung von 100.000 Menschen gedroht (mehr hier).

Auch der Bischof von Piräus, Seraphim, protestierte gegen die Pläne der griechischen Regierung. Er wandte sich im April sogar an den Staatsrat, um zu verhindern, dass Muslime in Griechenland einen Ort der Anbetung bekommen würden. Bischof Seraphim hatte schon 2006 ein Gesetz, das den Bau von Moscheen erlauben sollte, als ein „schändliches und erniedrigendes Sakrileg“ bezeichnet. Das berichtet Europe News. Auch jetzt verteidigte seine Aktion als Gesuch „die religiösen Rechte der griechischen Christen zu schützen“.

200.000 Muslime allein in Athen

In Griechenland leben derzeit rund eine Million Migranten. Angegangen werden sie derzeit verstärkt von Gruppierungen wie Golden Dawn. Sie machen die meist illegalen Arbeiter dafür verantwortlich, dass die Kriminalitätsrate steige und sie eine zusätzliche Last für den Staat wären (mehr hier).

Rund 200.000 Muslime leben allein in Athen. Sie stammen aus Ländern wie Pakistan, Afghanistan und Bangladesch. Derzeit helfen sich die Gläubigen mit Provisorien aus. Gebetet wird in alten Garagen oder schmuddeligen Hallen. Viele wurden bereits das Ziel von rassistischen Übergriffen und mindestens eine Unterkunft soll schon in Brand gesetzt worden sein.

Mehr zum Thema:

Keine Angst vor Rechtsradikalen: Athen baut erste Moschee
Trotz Finanzkrise: Athen bekommt endlich eine Moschee
Moschee in Athen: Rechtsextreme Golden Dawn drohen mit Massenmobilisierung

Kommentare

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.