Militärisches Areal in der Türkei: Fällt auch hier schon bald das Kopftuchverbot?

Der türkische Verteidigungsminister İsmet Yılmaz hat signalisiert, dass das Kopftuchverbot in militärischen Bereichen bald fallen könnte. An einer entsprechenden Verordnung werde gerade gearbeitet. Erst vor wenigen Tagen fiel das Verbot im türkischen Parlament.

Nach Angaben des türkischen Verteidigungsministers İsmet Yılmaz könnten auch innerhalb des Militärs bald Lockerungen anstehen. Derzeit soll das Verteidigungsministerium an einer Verordnung arbeiten, die das Tragen eines Kopftuches auf militärischem Areal künftig gestattet.

Bisher ist es türkischen Frauen lediglich bei Hochzeiten in militärischen Räumlichkeiten gestattet gewesen, ein Kopftuch zu tragen. Nachdem das Kopftuchverbot bereits Anfang 2012 für den Wahl-Religionsunterricht (mehr hier) und in diesem Jahr für türkische Staatsbedienste und Abgeordnete fiel, fühlt sich das Militär nun wohl unter Zugzwang.

„Offenbar müssen wir ein wenig intensiver an diesem Thema arbeiten“, zitiert die türkische Hürriyet Minister Yılmaz. Obschon das Verbot in öffentlichen Einrichtungen bereits gefallen sei, gäbe es auch in Bezug auf das Militär eine Menge Beschwerden, die  den Bürgerbeauftragten bzw. den Chef des Menschenrechtsausschusses des Parlaments erreichen würden. Die Forderung: Den Frauen soll erlaubt werden, auch beim Betreten von militärischem Gebiet das Kopftuch zu tragen. „Wenn die Zeit reif dafür ist, kann das auch geändert werden“, so nun der Politiker vor Journalisten.

Erdoğan: Kopftuchverbot ist Diskriminierung

Bereits Ende September stellte Premier Recep Tayyip Erdoğan in Ankara sein „Demokratiepaket“ vor. Im Zuge dessen kündigte er an, das Kopftuch im Staatsdienst zu erlauben. Das religiöse Tuch dürfe künftig in Behörden, Schulen und an der Universität getragen werden. Nur Richterinnen, Staatsanwältinnen, Polizistinnen und Mitglieder der Armee seien von der neuen Regelung ausgenommen. Die Abschaffung des Kopftuchverbotes begründete er wie folgt: „Diese Regulierung enthält Beschränkungen in Bezug auf das Erscheinungsbild von Männern und Frauen und das ist eine Verletzung der Religionsfreiheit, das ist Diskriminierung.”

Am 31. Oktober erschienen vier türkische Abgeordnete mit Kopftuch im Parlament. Ihr Schritt wurde jedoch nicht von allen Kolleginnen positiv aufgenommen (mehr hier). Zu einem Eklat wie 14 Jahre zuvor, als die FP-Abgeordnete Merve Kavakçı mit Kopftuch erschien, kam es jedoch nicht. Vielmehr folgte nur wenige Tage darauf der nächste historische Akt. Das Parlament hob das Hosenverbot für Frauen auf.

Eine mögliche Änderung der Vorschriften düfte dem Premier übrigens auch aus persönlichen Gründen gefallen. Nach ganzen vier Jahren hatte er Ende August 2011 erstmals wieder an einer Graduiertenfeier der Medizinischen Militärakademie Gülhane (GATA) teilgenommen. Seit Erdoğans Frau Emine im Jahr 2007 daran gehindert wurde, den Schauspieler Nejat Uygur im Krankenhaus der Akademie zu besuchen, hatte er an keiner Veranstaltung der GATA mehr teilgenommen. Der Zugang wurde ihr damals wegen ihres Kopftuchs verwehrt (mehr hier).

Mehr zum Thema:

Nächster Tabubruch im türkischen Parlament: Leyla Zana erscheint in Hosen
Türkei: Abgeordnete bezeichnet Kopftuch als „zweischneidiges Schwert“
Wegen Kritik am Kopftuch-Missbrauch: Türkische Medien starten „Hexenjagd“ gegen Politikerin

Kommentare

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.