Rockender Imam: Jetzt nimmt Muhsin Tuzer sein erstes Album auf

Die harsche Kritik türkischer Konservativer konnte Mushin Tuzer nicht verschrecken. Jetzt nimmt der rockende Imam sogar ein Album auf. Nur noch wenige Tracks und das Debüt des Geistlichen ist endlich fertig.

Der 42-jährige türkische Imam Muhsin Tuzer hat zwei Leidenschaften. Die Religion und die Musik. Doch beides unter einen Hut zu bringen, ist für den Geistlichen alles andere als einfach. Das Treiben mit seiner Rockband „FiRock” hat vergangenen Sommer sogar das Mufti Amt von Antalya auf den Plan gerufen. Unbeirrt hat Tuzer weitergemaht. Sein Debütalbum steht kurz vor der Fertigstellung.

Gerade befindet er sich noch im Studio, um die letzten Tracks einzuspielen. Doch bereits in diesem Monat soll „Time of Change“ erscheinen. Bei aller Freude über die Musik, hängt allerdings nach wie vor Ärger für den Imam in der Luft.

„Nicht mehr lange und etwas Neues kommt. Wenn die Zeit für Veränderungen da ist, werden alle Schmerzen vergehen“, singt der Geistliche des kleinen Örtchens Pinarbasi mit Leidenschaft. Bereits als Kind hat er damit angefangen. Zu seinen Idolen zählt der einstige Queen-Frontman Freddie Mercury. Er bewundert Pink Floyd. Mit 19 ließ er die Musikbegeisterung erst einmal hinter sich, trat in die Fußstapfen von Vater und Großvater und wurde Imam. Seit kurzem begeistert er sich für den Sufismus. Der nächste Schritt ergab sich daraus wie von selbst: Es galt, beide Leidenschaften zu vereinen und islamische Mystik und Rockmusik zusammen zu bringen.

Im vergangenen Mai war es schließlich soweit. Er traf den Heavy Metal-Gitarristen Doğan Sakin. „FiRock” wurde gegründet. Der Imam beschreibt das Genre als „Psychedelic, Mystic Rock”. Jeder sei schockiert gewesen. Im Sommer folgte dann der erste Videoclip auf YouTube „Mevlaya Gel”. Heute zählt dieser mehr als 30.000 Klicks. Während des ersten Konzertes in Kas provozierte der Imam bewusst und betrat die Bühne in seiner Robe. Doch der Erfolg gab ihm Recht: Die Band wurde eingeladen, Konzerte in Tunesien und sogar in den USA zu spielen, berichtet die Global Post.

Diyanet lässt sich mit Entscheidung Zeit

Andere sahen das allerdings mit weniger Behangen als die Fans der Truppe (mehr hier). Nicht nur das Amt für Religiöse Angelegenheiten machte ihm das Leben schwer. Über das Internet erreichten ihn ebenfalls Drohungen. Noch ist nicht klar, ob die Diyanet dem Imam sein Hobby sogar verbietet. „Vielleicht wird Diyanet eine islamische Band ins Leben rufen und dann wird er dort eingesetzt”, so Sprecher Abdulkadir Ozcan. Als sein Arbeitgeber hat die Diyanet in der Tat ein Mitspracherecht. Wie sie sich entscheidet, bleibt allerdings abzuwarten. Immerhin: Das Thema Musik ist und bleibt im Islam eine offene Frage. Viele islamische Gelehrte sagen, dass alle Formen der Musik verboten sind – eine mögliche Ausnahme ist lediglich das Tamburin bei Hochzeiten. Andere argumentieren, es hängt vom Inhalt ab.

Wo jedoch das teuflische Element in seiner Musik sein soll, kann Tuzer nicht nachvollziehen. Er ist sich sicher: Würde der Prophet heute leben, hätte der nichts dagegen. Sein Studiokollege Sakin formuliert es weniger diplomatisch: „Die Diyanet ist mir egal.” Da würden Regeln aufgestellt, die nicht im Koran stünden. Leuten würde Angst eingeflöst, indem man ihnen erklärte, sie kämen in die Hölle.

Tuzer heiratet Christin

Auch Tuzer dürfte das so sehen. Für Aufsehen sorgte er nämlich bereits 1999 als er noch als Muezzin in Istanbul eine Christin aus Rumänien zur Frau nahm. Nachdem die Diyanet seine Ehe ablehnte, quittierte er im Jahr 2000 seinen Dienst und wurde zunächst Händler für islamische Kalligraphie und Kunst. Er gründete sogar eine kleine Firma für Bio-Tee. Erst seit 2010 arbeitet er wieder als Imam.

Eines Tages möchte er mit Madonna singen, gesteht er heute. „Stellt Euch das vor, der Imam und Madonna. Wenn das Projekt real würde, würden alle Religionen der Welt vereint sein.”

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