„Sprache ist Brücke“: Auswärtiges Amt zeichnet Freiberger Uni-Initiative aus

An der Technischen Universität Bergakademie Freiberg werden ausländische Studierende mit ihren Sprachproblemen nicht allein gelassen. Seit 2010 erhalten sie Hilfestellung durch das Sprachtutoren-Programm „Sprache ist Brücke“. Am 13. November erhielt die Initiative den „Preis des deutschen Auswärtigen Amtes für die exzellente Betreuung ausländischer Studierender an deutschen Hochschulen“.

Das Studieren an einer deutschen Hochschule ist für ausländische Studenten besonders schwer. Während es fachlich meist nichts zu mäkeln gibt, kämpfen die jungen Leute hingegen umso öfter mit sprachlichen Barrieren. Diese bremsen sie nicht nur im privaten Umfeld aus. Sie behindern auch beim Verfassen von wissenschaftlichen Arbeiten und lassen die Studenten meist schlechter abschneiden als eigentlich nötig. Eine Freiberger Initiative, die genau hier ansetzt, wurde jetzt für ihr Programm „Sprache ist Brücke“ vom Auswärtigen Amt ausgezeichnet.

Enge Verbindungen zwischen Paten und Studierenden

„Die TU Freiberg hat das Projekt im Frühjahr 2010 gemeinsam mit dem Verein ‚Lichtpunkt‚ ins Leben gerufen, um ausländische Studierende zu unterstützen“, berichtet die Deutsche Welle. Derzeit sind 81 ehrenamtliche Sprachpartner im Alter zwischen 20 und 82 Jahren im Einsatz. Das Engagement habe nach Angaben von Manuela Junghans von der TU Freiberg großen Nutzen für die jungen Menschen. Durch „Sprache ist Brücke“ würden ihre Arbeiten an Qualität gewinnen. Junghans kümmert sich aktuell um 700 Internationale, fast 200 haben seit dem Start des Programms teilgenommen.

Das Projekt geht jedoch weit über die Vermittlung von Tutoren hinaus. Neben einem Patenprogramm zum gezielten Deutsch lernen werden auch so genannte Sprachtandems angeboten, indem deutsche Partner umgekehrt eine Fremdsprache erlernen können. Daneben erfahren die Deutschen jede Menge über die Heimatländer der Studierenden. So gebe es zum Beispiel Märchenabende oder Einblicke in fremde Bildungssysteme, aber auch Gespräche über die Schwierigkeiten hier in Deutschland. Die Beziehungen unter den Teilnehmern gehen schnell über das bloße Korrekturlesen oder Unterrichten hinaus. In Oklahoma gehen türkischen Studenten übrigens einen ähnlichen Weg. Hier geht es jedoch nicht um das Erlernen der englischen Sprache, sondern umgekehrt um Einblicke in die türkische Kultur (mehr hier).

Für ihr „außergewöhnliches Bemühen um die ausländischen Studierenden“ hat „Sprache ist Brücke“ in der vergangenen Woche den „Preis des deutschen Auswärtigen Amtes für die exzellente Betreuung ausländischer Studierender an deutschen Hochschulen“ erhalten. Der Preis ist erstmals mit 20.000 Euro dotiert. Ebenfalls ausgezeichnet wurde die Initiative „Willkommen in der zweiten Heimat – Wohnen international“ des Studierendenwerks Mainz. Übergeben wurde die Auszeichnung während einer Tagung des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) in Bonn. Bereits Ende vergangenen Jahres wurden Teile des Integrationsprojektes mit dem Preis des Deutschen Studentenwerks sowie dem Innovationspreis der Bundesarbeitsgemeinschaft der Freiwilligenagenturen ausgezeichnet.

Zahl der ausländischen Studierenden auf Rekordhoch

Der deutschen Hochschulpolitik wird von vielen Seiten eine Bildungsmisere unterstellt. Nichtsdestotrotz ist die Attraktivität des Studienortes Deutschland für junge Menschen im Ausland offenbar gestiegen. Die Zahl ausländischer Studierender hat ein Rekordhoch erreicht. „Deutschland liegt als Gastland für ausländische Studierende auf Platz 4 (hinter USA, GB und Australien) und ist damit das beliebteste nicht-englischsprachige Land“, so der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) bereits Anfang 2013 auf Nachfrage der Deutsch Türkischen Nachrichten. Im Zeitraum von 2000 bis 2011 hat sich die Zahl der Studierenden aus dem Ausland von 75.000 auf mehr als 250.000 erhöht. Gründe gibt es dafür viele. So erhalten ausländische Studenten an deutschen Hochschulen eine „exzellente Qualität zu kostengünstigen Bedingungen“. Auch das „humboldtsche Bildungsideal der Einheit von Forschung und Lehre“ sei ein weiteres „Qualitätsmerkmal“ der „akademischen Ausbildung in Deutschland“, so der DAAD (mehr hier).

Ihre Kompetenzen und vor allem ihre Sprachkenntnisse werden in Deutschland dringend gebraucht. So sprechen deutsche Unternehmen beispielsweise einfach nicht genügend Türkisch. Auch Hintergrundwissen in Sachen Kultur und Religion fehlt. Die Folge: Nicht selten schießen sie mit ihren Bemühungen an einer riesigen Zielgruppe in Deutschland vorbei. Oder blamieren sich gar mit falschen Übersetzungen. Das hat der Ethnomarketingexperte Burhanettin Gözüakça im Rahmen einer Studie herausgefunden. Für sein Buch „Zielgruppenmarketing“ hat der Ethnomarketingexperte sich die Bemühungen deutscher Unternehmen um Internationalität angesehen. Sein Fazit: Sie verkennen ein „attraktives Wirtschaftspotenzial“ direkt vor der eigenen Haustür (mehr hier).

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