Leipzig zeigt Solidarität: Fotoaktion für Toleranz und Weltoffenheit

Inmitten der aufgeheizten Stimmung um einen Moscheebau in Leipzig, will eine Facebook-Gruppe nun ein positives Signal setzen. Seit Freitag rufen die Administratoren von „1001 Moschee“ dazu auf, an einer Fotoaktion teilzunehmen. Ihr Ziel: Es muss klar werden, dass die Mehrheit der Leipziger weltoffen und tolerant sei.

Die fünf aufgespießten Schweineköpfe auf dem Baugelände einer geplanten Moschee in Leipzig haben die Öffentlichkeit schockiert. Die Facebook-Gruppe „1001 Moschee“ hat unmittelbar reagiert. Bereits am Freitag rief der bisher noch relativ kleine Verbund zu einer Fotoaktion auf, um Solidarität zu demonstrieren.

„Lasst uns zeigen, dass die Mehrheit der Leipziger weltoffen & tolerant ist und macht mit beim 1001 Foto-Projekt“, heißt es seit Freitagabend in einem entsprechenden Aufruf. „Wir veröffentlichen alle Bilder, soweit sie nicht dem Charakter dieser Aktion widersprechen. Lasst uns ein Zeichen setzen. Gegen die Urheber des Schweine-Blut-Anschlags & ihre geistigen und tatsächlichen Unterstützer. DANKE. Euer 1001 Moschee Team.“

Gefordert wird von den Usern allerdings etwas Bastelarbeit. Zunächst gilt es, das Bild einer Uhr in Moscheeform herunterzuladen, auszudrucken und auszuschneiden. Anschließend soll die eigene Botschaft zum Thema „Toleranz & Weltoffenheit in Leipzig“ auf die Moschee aufgebracht werden. Zum Schluss sollen sie sich oder einen Ort ihrer Wahl dann mit der Moschee fotografieren und das Bild an die Administratoren übersenden.

1001 Moschee für Leipzig – ein Gotteshaus in deiner Nachbarschaft

Bislang hält sich die Reichweite der Aktion noch in Grenzen. 14 Mal wurde die Aufforderung bis zu diesem Sonntag geteilt. Ein erstes Fotos zum neuen Aufruf ist nach Angaben der Initiatoren bereits angekommen. Umgekehrt zählt die Facebook-Gruppe aktuell aber auch erst rund  100 Anhänger. Wie solche Bilder aussehen könnten, das ist auf der Pinnwand aber bereits sichtbar. Seit 24. Oktober ist die Gruppe aktiv. Seither lautet ihr Credo: „1001 Moschee für Leipzig – ein Gotteshaus in deiner Nachbarschaft – für eine tolerante & weltoffene Stadt.“ Das Ganze ist ein Projekt von www.goodcountry.de. Dahinter stehen die italienische Filmemacherin Nina Mair und der deutsche TV-Journalist Robert Jahn. Und die beschreiben ihre Intention für diese Facebook-Seite wie folgt:

„Der aufgeregten und intoleranten Debatte um den Moschee-Neubau in Leipzig-Gohlis wollen wir eine künstlerische Botschaft entgegensetzen. 1001 Moschee für Leipzig soll eine Seite für das Miteinander werden. Jeden Tag wird es ein neues Foto verschiedener symbolischer Moscheen in Leipzig geben. Wir freuen uns dabei auch über Standort-Vorschläge aus der Bürgerschaft und versuchen diese dann fotografisch umzusetzen.“

Die Verantwortlichen des Schweine-Anschlages in der Nacht von Donnerstag auf Freitag (mehr hier) bezeichnen beide als „Verbrecher“. Das Getane erinnere an Mafia-Methoden. Es sei „undemokratisch und feige“. Damit sei man zu weit gegangen. Das wolle und könne man nicht akzeptieren.

Sigmar Gabriel: Das war ein Angriff auf die ganze Gesellschaft

Am Samstagmorgen hat unterdessen SPD-Chef Sigmar Gabriel das Gelände besucht, auf dem die 70 Mitglieder starke Ahmadiyya-Muslim-Jamaat-Gemeinde eine kleine Moschee mit zwei Zierminaretten errichten will. „In Deutschland herrscht Religionsfreiheit. Deshalb ist so ein Angriff auf ein Gotteshaus auch immer ein Angriff auf unsere ganze Gesellschaft“, zitiert die Leipziger Volkszeitung den Politiker. Alle Menschen sollten ihren Glauben leben können, solange dieser sich auf dem Boden der Verfassung bewege, so Gabriel weiter. Bei dem Ortstermin in der Georg-Schumann-Straße zugegen war auch der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland, Aiman A. Mazyek. Dieser warnte bereits anlässlich von Anschlägen auf Berliner Moscheen im Jahr 2011: „Es werden zu wenig Signale abgeben, die da heißen: Bis hier und nicht weiter, weil es gilt unsere freiheitlich demokratische Gesellschaft vor der Erosion zu schützen und in zweiter Linie erst um Minderheiten“ (mehr hier).

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