Gegen syrischen Grenz-Mauerbau: Polizei schlägt ODTÜ-Protest erneut mit Tränengas nieder

Auf dem Campus der Technischen Universität des Nahen Ostens (ODTÜ) ist es am späten Sonntagabend zu einem weiteren heftigen Zusammenstoß zwischen Demonstranten und Polizei gekommen. Stein des Anstoßes waren diesmal nicht die Baumaßnahmen auf dem Campus, sondern ein geplanter Mauerbau an der türkisch-syrischen Grenze.

Am späten Sonntagabend ist die türkische Polizei einmal mehr mit Wasserwerfern und Tränengas gegen Demonstranten an der Technischen Universität des Nahen Ostens (ODTÜ) vorgegangen. Die jungen Leute protestierten gegen den Bau einer Mauer an der syrisch-türkischen Grenze.

Organisiert wurde die Demonstration am Eingang A1 des Campusgeländes. Er ist der hochfrequentierteste Einlass und liegt nahe an einer zu Stoßzeiten viel befahrenen Straße. Von dort aus forderten sie die Behörden auf, den Bau einer umstrittenen Mauer im Mardiner Distrikt Nusaybin in unmittelbarer Nachbarschaft der syrischen Stadt Qamishli zu stoppen. Das berichtet die türkische Zeitung Hürriyet.

Bereits Mitte Oktober hatten die türkischen Behörden dort mit der Errichtung einer Mauer an der Grenze zu Syrien begonnen. Ohne die Stadt zu informieren, schickte die Regierung Bautrupps in den Südosten der Türkei, um mit der Errichtung einer zwei Meter hohen Grenzbefestigung zu beginnen. Das plötzliche Bauvorhaben schürte darauf hin Befürchtungen, dass mehrere Mauern geplant seien. Das berichtet der Guardian. Die Bevölkerung vor Ort reagierte mit heftigen Protesten und Hungerstreiks. Das türkische Innenministerium gab jedoch an, dass die bereits bestehende Begrenzung „aus Sicherheitsgründen“ mit Stacheldraht befestigt werde, um so den Schmuggel und illegale Grenzübertritte einzudämmen. Um eine vollwertige Mauer soll es sich nicht handeln. Nachvollziehen kann man diese Argumentation vor Ort so oder so allerdings nicht.

Entsetzt zeigten sich die Demonstranten auch über den Tod von drei Syrern, die von türkischen Grenztruppen beim Versuch die türkische Grenze in der Provinz Mardin zu überqueren, erschossen wurden. Der Zaman zufolge, soll es sich bei den Männern um Schmuggler gehandelt haben, die Samstagnacht durch ein vermintes Gebiet ins Land gelangen wollten und sämtliche Warnungen der Grenzpolizisten ignoriert hätten. Der Vorfall wird jetzt untersucht. Einige Demonstranten errichteten Barrikaden, die anschließend in Brand gesteckt wurden. Viele Studenten wurden vom Tränengaseinsatz der Polizei in Mitleidenschaft gezogen.

Immer wieder kam es in den vergangenen Monaten zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen Studenten und Ordnungshütern. Die Demonstranten machten ihrem Unmut gegen die geplanten Baumaßnahmen, die die Zerstörung von 3000 Bäumen bedeuten, mehrmals Luft. Beantwortet wurde das stets mit einem rigorosen Einsatz von Tränengas und Wasserwerfern (mehr hier). Vorgesehen sind zwei Straßen, die sich über das Campusgelände ziehen. Die kleinere der beiden Straßen soll wie geplant umgesetzt werden. Die zweite soll nun durch einen Tunnel geführt werden, um den Eingriff in die Umwelt zu minimieren (mehr hier).

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