Kein Ausweg: Handelsbilanz-Defizit der Türkei ist außer Kontrolle

Die Türkei kämpft weiterhin mit einer unausgeglichenen Handelsbilanz. Die ist zu einer chronischen „Krankheit“ der türkischen Wirtschaft geworden. Erschwerend hinzu kommt, dass die Einnahmen aus dem Tourismus-Sektor weitgehend weggefallen sind. Syrische Investoren und Konsumenten werden nicht mehr als Touristen eingestuft, sondern als Flüchtlinge.

Das Handelsbilanz-Defizit der Türkei bereitet der Erdoğan-Regierung Kopfzerbrechen. So verzeichnete die Türkei im September ein höheres Defizit als erwartet.

Die Defizit-Erwartung für September lag bei 2,7 Milliarden US-Dollar. Doch tatsächlich wurde am Ende des Monats ein Handelsbilanz-Defizit in Höhe von 3,28 Milliarden US-Dollar registriert, berichtet CNN Turk.

„Es wurden Revisionen beim Tourismus vorgenommen. Wir erwarten zum Jahresende ein Handelsbilanz-Defizit von insgesamt 62 Milliarden US-Dollar“, zitiert CNN Turk die Chef-Ökonomin von Erste Securities, Nilüfer Sezgin. Das entspricht einem Handelsbilanz-Defizit von rund 7,5 Prozent des Bruttoinlandprodukts (BIP).

Die Einnahmen aus dem Tourismus-Sektor leiden, weil die in die Türkei kommenden Syrer nicht mehr als Touristen eingestuft werden. Sie gelten als Flüchtlinge. Es befinden sich zwar viele reiche Syrer unter den Flüchtlingen. Doch das ändert nichts an ihrem offiziellen Flüchtlings-Status.

Das aktuelle Handelsbilanz-Defizit der Türkei liegt bei 60,661 Milliarden US-Dollar. Damit ist das Land auf Platz fünf der Länder mit den größten Defiziten bei der Handelsbilanz, berichtet die Zeitung Sözcü. Die USA führen die Liste mit 451,458 Milliarden US-Dollar an. Auf Platz zwei liegt Indien mit 77,601 Milliarden US-Dollar. Darauf folgen Brasilien mit 74,012 Milliarden US-Dollar und England mit 69,096 Milliarden US-Dollar.

Aktuell finanziert die Türkei ihr Defizit über kurzfristige Kapitalzuflüsse. Im Juli hatte der US-Ökonom Nouriel Roubini auf die Gefahr eines Crashes in den Schwellenländern hingewiesen. Neben der Türkei seien auch Indien, Brasilien und Südafrika betroffen von jener Gefahr (mehr hier).

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